Rundgang durch das Museum Appeleshof

Der Besucher betritt das ca. 250 Jahre alte Gebäude durch das frühere Scheunentor und kommt in den Ausstellungsraum. Hier zeigt der Arbeitskreis Heimatgeschichte im Schwarzwaldverein Gechingen e.V. an jedem Öffnungssonntag eine Sonderausstellung. 

 

 

 

 

Im hinteren Teil des Raumes führt eine Treppe zur Empore. Auf der Empore wird rechts der Weg vom „Flachs zum Tuch“ anschaulich erklärt. Am Webstuhl führt ein Mitarbeiter des Museums gerne dieses alte Handwerk vor.

 

 

 

Anschließend sind alte landwirtschaftliche Geräte, wie ein Erntewagen, verschiedene Pflüge und Eggen zu sehen. Auch die Anfänge des Wintersports nebst einem restaurierten Pferdeschlitten können besichtigt werden.

 

 

 Links findet sich alles, was früher zur Selbstversorgung des bäuerlichen Haushaltes gehörte: Fleisch- und Wurstverarbeitung, Brotbacken, Butter- und Käseherstellung, Kraut einschneiden, Beeren pressen und Bienenhaltung.

Beim Verlassen der Empore kommt der Gast an einem Paar in Gechinger Tracht vorbei. Leider musste man feststellen, dass in Gechingen das Trachtentragen schon sehr früh abhanden kam (um ca. 1840) und später nur noch Teile davon aufgetragen wurden. Anhand von alten Unterlagen wurde die Tracht rekonstruiert.

Wenden wir uns dann nach links, treffen wir auf Historisches der Gechinger Feuerwehr. Das Prachtstück ist ein Hydrophor aus dem Jahre 1834, eine mit 2-4 Pferden bespannte Feuerspritze, an der 2 Gruppen von je 8 Mann wechselweise pumpten. Das Wasser wurde zuerst mit Butten und Eimer hergeschafft, dann in die Trichter geschüttet. Später konnte man auch mit einem Schlauch aus den Hydranten Wasser holen und durch den Druck aus der Leitung entfiel das Pumpen. Die Spritze ist ziemlich klein, man kann sich vorstellen, dass die Wirkung entsprechend gering war.

Auch ein von Hand zu ziehender Schlauchwagen ist zu sehen; in der Vitrine finden sich allerlei Erinnerungsstücke der Freiwilligen Feuerwehr Gechingen.

 

Dann betreten wir den Wohnteil des Anwesens.

Zuerst kommen wir in den ehemaligen Stall, in dem bis ca. 1970 noch einige Kühe standen, was am Fußboden und den noch erhaltenen Tränken zu sehen ist.

Der hintere Teil des Raumes ist dem Thema Waschen gewidmet. Das war früher eine schwere Aufgabe für die Frauen und zog sich über mehrere Tage hin. Es begann mit dem Einweichen der Wäsche am Abend zuvor. Statt Einweichmitteln wurde Holzasche in ein Tuch gefüllt und Wasser darüber gegossen.
Im Lauf der Jahre wurden verschiedene Maschinen erfunden, um die Wascharbeit zu erleichtern. Angefangen beim Wäschestampfer über von Hand drehbare Waschtrommeln aus den Jahren um 1910 und japanischen Wäschekugeln aus den 50er-Jahren bis zur elektrischen Waschmaschine von 1938 ist alles vorhanden.

Die Treppe hoch geht es in das 1. Obergeschoss, wo eine Wohnung mit Inventar aus den Jahren 1920/1930 zu sehen ist.

Das Schlafzimmer

Die Betten wurden 1885 anlässlich der Hochzeit von Gottfried Schwarz u. Rösle Riehm angefertigt. Der Waschtisch stammt aus den 30er Jahren. Die Kleiderschränke wurden zwischen 1850-1930 hergestellt. An einem der Schränke sind noch Spuren eines Granatsplitter-Einschlags zu sehen. Im Weißzeugschrank lagert eine Menge selbst gesponnener Wäsche. In den Schränken befinden sich Kleidungsstücke für Frauen und Männer. Das eiserne Kinderbett von 1920 wurde mit Bettwäsche aus alten Stoffen ausgestattet. Das Taufkissen hat auswechselbare Bänder, rosa für Mädchen und blau für Jungen.

Das Wohnzimmer

In vielen Wohnzimmern, Stube genannt, stand ein Klavier. "Die Gechinger hen a Klavier en dr Stub oder a Goass em Stall" spotteten Bewohner der Nachbardörfer. Auf der schönen Kommode (1919) stehen Bilderrahmen aus verschiedenen Zeiten.

 

 

 

 

Die Stubenkammer

Diese Abtrennung vom Wohnzimmer ist nur noch in sehr wenigen Häusern erhalten. Hier schliefen die Alten und Kranken. Von Vorteil war, dass durch das oben offene Holzgestänge warme Luft aus dem Wohnzimmer kam; die Schlafzimmer wurden früher nicht beheizt. Ein weiterer Vorteil war, dass die Bewohner wenigstens akustisch noch am Familienleben teilnehmen konnten.

 

Die Küche

ist noch ausgestattet wie im Jahre 1920, mit Herd, Spüle und verschiedenen Geräten. Als Besonderheit gibt es einen nichtelektrischen Kühlschrank, der mit Eisbrocken aus den Gechinger Brauereien bestückt wurde.

 

 

 

 Im Kinderzimmer sind Puppen und altes Spielzeug zu sehen, im Schrank hängen Kleidungsstücke aus früheren Zeiten.

Nun geht es weiter die Treppen hoch in das 2. Obergeschoss. Schon im Flur sind Handarbeiten wie Stricken, Klöppeln, Sticken und Häkeln ausgestellt.

Links kommt man in das Schneideratelier. Es ist ebenfalls mit Originalgegenständen eingerichtet, von der Ankleidepuppe über Knöpfe, Stoffsortimente, Nähmaschinen und Bügeleisen gibt es viel zu sehen.

Der Tante Emma-Laden

schließt sich an und erinnert an die Zeit vor den Supermärkten. Die Einrichtung stammt aus vier früheren Ladengeschäften in Gechingen.

 

 

 

 

Wir betreten nun den großen Raum von Handwerk und Kirche. Auf der rechten Seite steht die alte Kirchturmuhr. Sie wurde 1928 von der Firma Perrot aus Calw hergestellt und kostete 5.228 Reichsmark. Durch diese Uhr wurde dem Mesner die Mühe des täglichen Aufziehens erspart. Daneben sind verschiedene Gegenstände, die früher in der Martinskirche waren, ausgestellt.

Den größten Teil des Raumes nehmen die Darstellungen verschiedener Handwerke ein, z.B. Schmied, Schreiner, Buchbinder, Teuchelbohrer und Maler.

Mit den Einrichtungsgegenständen und Maschinen der Schuhmacherwerkstatt von Karl Dingler kann unser Museum ein weiteres Highlight präsentieren.

 

 

 

 

 

 

 

Zurück im Flur geht es in das Fotoatelier mit Originaleinrichtungsgegenständen von Otto Weiss aus dem Jahre 1904. Viele Foto-Platten sind erhalten und wertvolle Zeugnisse der Gechinger Vergangenheit. Dieses Fotostudio war eines der ersten in der weiteren Umgebung des Ortes.

 

  

 Im Raum daneben finden sich Zeugnisse der Vor- und Frühgeschichte. Ausgrabungsgegenstände aus der Kelten- und Alemannenzeit belegen die frühzeitige Besiedlung unseres Ortes. Außerdem sind Mineralien und Fossilien ausgestellt.

 

 

 

 Die Treppe führt in das 3. Obergeschoss.

Im Flur zeigen wir alte Büromaschinen und einiges über die Post anno dazumal.

Links führt der Weg in den Raum der Ortsgeschichte.

Auf 30 Bildtafeln ist die Ortsgeschichte nachzulesen, von den ersten Erwähnungen Gechingens über die Schultheißen bis heute. In der Vitrine befinden sich 5 Fleckenbücher aus der Zeit von 1547-1747 als älteste schriftliche Belege der Ortsgeschichte. Die ersten stammen noch aus der Zeit vor dem 30jährigen Krieg. Auch alte Gebetbücher, Münzen und Geldscheine sind in der Vitrine zu sehen. Das alte Stehpult des Schultheißen mit Glocke, Tintenfass und Löscher ist gleich daneben. Verschiedene Ehrenurkunden und Diplome hängen an den Wänden. Interessant ist auch das Ortsmodell, das die Zerstörungen durch den „Großen Brand“ im Jahr 1881 anschaulich macht.

Schule früher

Alte Schulbänke mit Aussparungen für die Tintenfässer, Schiefertafeln und sonstiges Zubehör wecken bei vielen Besuchern Erinnerungen an die eigene Schulzeit.

 

 

 

 

 

 

 

Damit endet der Rundgang im Gechinger Heimatmuseum. Wir würden uns freuen, wenn wir Ihr Interesse an einem Besuch geweckt haben.

 

Letze Änderung Montag, 20 Juni 2016 19:38
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