Grabungsfunde

 

Bericht über Grabungsfunde (Webgewichtssteine) im Gebiet „Furt“ Gechingen

Auf dem Baugelände für das neue Altenzentrum im „Furt“ in Gechingen wurde der Ackerboden ca. 20 cm tief auf zwei Erdhügel geschoben, ein Hügel im unteren Bereich an der Talstraße und einer in der Südost-Ecke an der Straße nach Dachtel.
Vom Bauvermessungspunkt in der Süd-Ost-Ecke ragten in einer Distanz von 20 m Richtung West-Süd-West zwei stark verziegelte Webrahmengewichte aus dem helleren Lehm. Sie waren leider zerbrochen. Östlich davon in 30 bis 130 cm Entfernung war der Lehm stark hellrot verziegelt, was auf ein starkes Feuer hindeutete.
Nach Bergung der Webgewichte und Proben des verziegelten Bodens nahm ich diese am 4. April 2013 mit, um sie zu sichern und zu reinigen. Am Sonntag, 7. April 2013 zeigte ich die Funde den Besuchern des Museums „Appeleshof“ in der Abteilung Vor- und Frühgeschichte. Vorher informierte die Vorsitzende des Arbeitskreises Heimatgeschichte sowie Bürgermeister Häußler über die Funde. Nur einen Tag später, am Montag, 8. April 2013 wurden sie von Herrn Dr. Wieland vom Landesdenkmalamt Karlsruhe abgeholt.

Am 17. April 2013 bargen Grabungsleiter Dr. Damminger und seine Mitarbeiterin vom Landesdenkmalamt nochmals zwei Webgewichte etwa südlich in Reihe liegend zu den zwei von mir bereits gefundenen. Südlich und nördlich dieser Reihe in westlicher Richtung fand sich je eine Pfostengrube sowie südlich der Gewichtsreihe nach Osten hin verkohltes Holz. 3 m südlich der südlichen Pfostengrube fand ich eine Scherbe, die später vom Landesdenkmalamt eindeutig der Merowinger-Zeit (frühes 5.Jahrhundert bis ca. 750 n.Chr.) zugeordnet wurde, genau wie die gefundenen Webrahmengewichte.
Am 22. April 2013 wurden die Pfostenstellen mittig geschnitten und Profilaufnahmen gemacht. Die Tiefe betrug im Süden ca. 25 cm, im Norden ca. 35 cm. Die Pfostenlöcher wiesen einen Durchmesser von etwa 25 cm auf.
Bei den Webrahmengewichten handelt es sich um beidseitig aus luftgetrocknetem Lehm hergestellte gewölbte runde Scheiben mit einem Durchmesser von etwa 10 cm, etwa 5 cm dick, in der Mitte jeweils Löcher von ca. 1 bis 1,5 cm Durchmesser mit verrundeten Mündungen, wodurch sie wie ein großer Donut aussehen. Wie von den Experten des Landesdenkmalamtes festgestellt, hat ein Feuerschaden die 50 bis 75 cm tiefe mit einem Dach versehene Webgrubenhütte zerstört. Dadurch waren die Fundstücke stark durchziegelt mit dunkler Oberfläche durch die Verkohlung. In der Südostecke des Baugrundstücks entdeckte man eine große Feuerstelle mit zahlreichen feuergeröteten Kalksteinen jeglicher Größe, ohne sonstige Fundstücke.
Nach Absprache mit Herrn Dr. Damminger barg ich am 23. April 2013 die Überreste der Ausgrabungen. In beiden Pfostenlöchern fand sich rötlich gesprenkelte, im Ganzen durch Holzkohlestaub dunkel verfärbte Verfüllung. Größere Holzkohlestücke und verziegelter Hüttenlehm wurden gefunden. Am Grund waren große Kalksteine verblieben. Die Funde habe ich in Tüten deponiert.
Direkt ost-nord-östlich daneben befand sich auf dem Laufbodenhorizont ein zwei Faust großer Stubensandstein mit gerundeter Oberseite und ebener Unterseite. Diese Art von Sandstein kommt erst östlich in der Gegend Böblingen/Sindelfingen vor; in unserer Gegend wurde er als römischer Säulen- und Figurenstein verwendet, wie Funde z.B. aus Calw-Stammheim und Wildberg zeigen. Als Mahlstein oder Mahlläufer scheint der entdeckte Stein nicht gedient zu haben, da die Form dazu nicht passend war. An diesem Sandstein hatte eine vier Faust großer unförmiger Kalkstein direkt Kontakt; seine auf gleicher Höhe wie der Stubensandstein befindliche Oberfläche ist feuergerötet. Die beiden Steine waren wohl so angeordnet, um den südlichen Standpfosten des Webrahmens zu sichern, da auch die Reihe der Gewichte direkt an ihnen begann. Um die verbliebenen Löcher der geborgenen Gewichte war der Boden rot-schwarz. An der am stärksten geröteten Fläche östlich der Gewichtsreihe gab es keine Funde, aber ich habe auf jeden Fall Erdproben gesichert.
Die von mir gesicherten Ausgrabungsreste sind im Museum „Appeleshof“ deponiert. Ich habe aus dem auf dem Grundstück vorhandenen Lehm sechs Gewichte nachgebildet. Zwei sollen luftgetrocknet verbleiben, je zwei werden später in größeren Zeitabständen im offenen Feuer gebrannt, um Repliken zu bekommen.
Die Originalfundstücke befinden sich im Besitz des Landesdenkmalamtes.
Im Bereich des jetzigen Evangelischen Gemeindehauses wurde das Grab einer Alemannin gefunden, die während dieser Zeit hier bestattet wurde. Grabbeigaben und Skelettreste sind im Museum „Appeleshof“ in der Abteilung Früh- und Vorgeschichte zu sehen.
Josef Strzempek, Mitglied des Arbeitskreises Heimatgeschichte
Letze Änderung Mittwoch, 12 Dezember 2018 22:25
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