Appeleshof

 

Im Juli wäre das große Jubiläumsfest des Heimatmuseums Appeleshof fällig gewesen - 25 Jahre ist es nun her, dass es eröffnet wurde und es ist von Anfang an eine Attraktion weit über Gechingen hinaus gewesen und ist es auch geblieben. Zu den vielen Dingen, die wir im Corona-Zeitalter schmerzlich vermissen, gehören auch die Museumssonntage mit ihren wechselnden Aktionen. Wenn wir uns noch so viel Mühe geben, angefangen mit von außen einsehbarer Dekoration über den Waschtag von einst bis zur Messer- und Scherenschleif- Aktion oder Zeitungsberichten - es ist „net ganz dees“, wir wissen es wohl, wenn es auch dankbar angenommen wird. Wir hoffen aber, dass wir zumindest das Jubiläumsfest nächstes Jahr nachholen können - in gewohnter Form. Solange müssen wir uns halt in Geduld üben oder uns auf den virtuellen Rundgang einlassen, den es ja auch gibt und der gut geeignet ist, sich fürs nächste Schweifen durchs Museum ein paar Dinge vorzumerken, die man bis jetzt nicht beachtet hat. Vor allem aber wollen wir als kleinen vorläufigen Ersatz der Jubiläumsfeier vorausschicken, was wir Neues über den Namen „Appeleshof“ herausgefunden haben.

Eine Zeitlang dominierte die Deutung, dass der Name von „Pferdeapfel“ kommt, weil es in dem engen Hof oft recht schmutzig zuging. Sie ist aber abwegig. „Appel“ nennt man den Apfel weiter nördlich, hierzulande sagt man von jeher „der Äpfel“ und Pferdeäpfel speziell heißen bei uns „Rossbolle“. Auch die Erklärung, dass hier früher ein Appellplatz war, auf dem für den Krieg gegen die Franzosen 1870/71 bis zum Ersten Weltkrieg die Soldaten gemustert wurden, kann nicht so recht überzeugen. Warum sollte man die Soldaten ausgerechnet in dem schmalen, bewirtschafteten Hof, auf dem zwei Fuhrwerke nicht aneinander vorbeikamen, zum Appell befehlen? Das Schulhaus mit dem geräumigen Schulhof war beim alten Rathaus, wo sich die jungen Männer zu melden hatten, und auch um die Kirche gab es Platz. Zudem wird „Appell“ auf der zweiten Silbe betont, ich könnte mir in diesem Fall die Bildung „Appelles-Hof“, entsprechend ausgesprochen, gut vorstellen.

Auch da fanden wir wieder den entscheidenden Hinweis in dem bewährten Schwäbischen Wörterbuch vom ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, dem „Fischer“, der ja glücklicherweise heute digitalisiert ist.  Unter „Appel“ heißt es dort: „Siehe Apollonia“. Dieser Vorname war früher recht beliebt, zum Beispiel hieß so die berühmte Firmengründerin „Apollonia Margarete Steiff“ (1847-1909). Wie oft im 19. Jh. wurde der zweite Vorname, unter dem sie bekannt wurde, der Rufname, aber auf dem Firmengelände steht noch ein Gedenkstein mit ihrem vollen Namen. „Appel“ sei eine alte Kurzform, kann man im „Fischer“ lesen. Das Wort werde auch als „Schimpfname für Weiber“ gebraucht und bezeichne dann eine „schmutzige, unreinliche Weibsperson, gern verstärkt Dreck- Sau- Schmier- Schmotzappel.“ Das stimmt, ich kenne die Bezeichnung „Appel“ aus meiner Kinderzeit und andere ältere Gechingerinnen auch. Als kleines Mädchen hat meine Großmutter mich öfter „eine rechte Dreckappel“ genannt.

 
Interessant ist für uns, dass „Appel“ auch häufig als Ortsbezeichnung verwendet wurde, der „Fischer“ nennt „Appelensäcker, -grube, -halde“, ferner „Appelwald“ - da passt der „Appeleshof“ doch gut dazu! Wahrscheinlich gehen diese Benennungen nicht auf „Appel“ als Schimpfwort zurück, sondern beziehen sich einfach auf eine ferne, längst vergessene Trägerin des Namens „Apollonia“.

 Ursprünglich heißt „Apollonia“ „die dem (griechischen) Gott Apollon Geweihte“, es ist also ein Name aus dem Altertum. Apollon ist der Gott des Lichts, der Weissagung und der Kunst. Dass der Name Apollonia als weiblicher Vorname einst gang und gäbe war, ist aber wohl einer populären Märtyrerin aus frühchristlicher Zeit zu verdanken, der Heiligen Apollonia. Man rief sie an bei Zahnweh. Wie aus dieser hochverehrten Frau die „Dreckappel“ werden konnte, sei dahingestellt. Es kommt aber öfter vor, dass viel gebrauchte Vornamen, meist in völliger Verkennung ihrer Herkunft und ursprünglichen Bedeutung, einen herabsetzenden Charakter annehmen. Man denke nur an den „dummen August“, heißt „Augustus“ doch „der Erhabene“!

Es ist eigentlich recht passend, dass der Namen unseres Museums seinen Ursprung im klassischen Altertum hat, der Wiege unsere Zivilisation, und dazu an so manches erinnert - an Frauengestalten von der Heiligen bis zur Dreckappel - an Kunst und Kultur - aber auch an mühselige und oft schmutzige Alltagsarbeit - auf dem Dorf war alles „b´häb beinander“.
 Erika Albert-Essig
 
 
Der Appeleshof ca. 1950
 
Letze Änderung Dienstag, 02 Februar 2021 17:10
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