Wissenswertes über die Landwirtschaft früher und

alte, meist ausgestorbene Berufe

von Fritz Roller

Landwirtschaft
Die Pflugschar war früher das Zeichen eines Bauern, der Pflug wurde von einem Gespann gezogen und war das wichtigste Ackergerät vor Egge und Walze. Vor der Erfindung des Pfluges lockerten die Bauern den Boden nur oberflächlich mit Stöcken und Hacken. In der dünnen Scholle gediehen die Pflanzen schlecht, die Nährstoffe des Bodens waren bald erschöpft, sodass die Menschen weiterzogen und neues Land urbar machen mussten.
"Die Landwirtschaft hatte in Gechingen von jeher eine große Bedeutung. Im Jahr 1939 betrug die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe 230 und die Nutzfläche 850 ha. Damals hatte Gechingen 938 Einwohner. Bedingt durch Boden, Klima und Höhenlage wurde neben Getreideanbau auch Futteranbau betrieben. Es wurden gezählt:
775 Stück Rindvieh, davon 487 Milchkühe, 60 Pferde, 267 Schafe, 424 Schweine und 3289 Stück Geflügel. Bis zum Jahre 1957 hatte sich die Zahl der Betriebe auf 170 verringert und die Nutzfläche auf 760 ha verkleinert. Die Betriebsgrößen lagen unter 10 ha, nur drei Betriebe bewirtschafteten zwischen 10 und 15 ha. Wegen der beengten baulichen Verhältnisse im Ortskern waren viele Gebäude zu klein und eine Erweiterung aus Platzmangel meist nicht möglich. Nach der Flurbereinigung und der Aussiedlung von sieben Betrieben begann ein starker Strukturwandel in unserer Gemeinde. Dazu kam ein großes Arbeitsplatzangebot in den benachbarten Industriestädten. Dies hatte zur Folge, dass die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe weiter abnahm gleichzeitig aber die Größe der einzelnen Betriebe zunahm. Heute gibt es in Gechingen nur noch acht hauptberufliche Landwirte. Die gesamte Nutzfläche beträgt 650 ha. Viele Höfe gaben wegen Betriebsumstellungen und der Milchquotierung die Viehhaltung auf. Dafür nahm die Zahl der gehaltenen Schafe und Pferde zu." (Quelle: Landwirtschaftsamt Wildberg)
 Über die schwere körperliche Arbeit in der Landwirtschaft vor Einführung der modernen Maschinen für Männer und Frauen sowie über alte Traditionen wird im Folgenden berichtet.
"Der Bauwer
Ich aber bin von art ein Bauwer Meine Arbeit wirt mir schwer und sauwr
Ich muss Ackern, Seen und Egn Schneyden, Mehen, Heuwen dargegn
Holtzen und einführen Hew und Treyd Gült un Steuwr macht mir viel hertzleid
Trink Wasser und iss grobes Brot Wie denn der Herr Adam gebot."
Unterschieden hat man die Bauern in Kuhbauern, die von ihren Zugtieren Milch und Kälber bekamen,  Ochsenbauern, deren Zugtiere gemästet und geschlachtet wurden und Pferdebauern.
Das Getreide wurde lange Zeit mit der Sichel gemäht, dadurch fielen weniger Körner aus den Ähren. Sensen verwendete man nur für den Hafer. Erst zu Beginn unseres Jahrhunderts begannen die Bauern, alles Korn mit Sensen zu schneiden. Im Winterfeld stand Korn und Roggen, im Sommerfeld wurde Gerste und Hafer angebaut; Weizen kam in Gechingen erst viel später dazu. Beim Mähen teilte man den Acker in verschiedene Streifen auf. Der Vormann hatte einen 1 m breiten Streifen zu mähen, nach ihm die anderen Mitglieder des Hofes und der Familie. Jeder hatte seine besondere Arbeit zu verrichten: Schneiden, Aufsammeln, Garbenbinder legen, binden mit dem Bindenagel, Garbenaufladen, auf dem Wagen richtig nach dem sogenannten "Geleg" aufschichten. Die Garbenbinder wurden früher aus Hopfenranken oder Strohseilen hergestellt. Über die gesamte Wagenlänge kam der Wiesbaum, er wurde mit Seilen so verspannt, dass die Garben auch auf hochbeladenen Wagen festhielten.
In der Scheuer angekommen, zog man die Garben mit Hilfe des "Grechrädles", einem Holzrad, das oben am First angebunden und mit einem Seilhaken versehen war, nach oben. In den oberen Geschossen der Scheuer stapelte man die Garben reihenweise auf.
"Wenn mr gmäht haod, isch mer morgens um drui fort", erzählte mir ein alter Gechinger. Von 1/2 5 Uhr bis 9 Uhr wurde ununterbrochen gearbeitet, dann gab es eine Vesperpause. Um 11 Uhr läutete die große Kirchenglocke und die Frauen eilten nach Hause, um zu kochen und das Vieh im Stall zu versorgen. Nach dem Mittagessen, das den Männern von den Frauen aufs Feld gebracht wurde, ging die Arbeit bis 18 Uhr weiter. Vor dem Abendessen musste dann erst noch das Vieh versorgt werden.
Im Spätherbst begann der Flegeldrusch, der sich bis in den Winter hineinzog. Hermann Schmid erzählt in seinen Lebenserinnerungen: "Im Winter, wenn die Feldarbeit eingestellt war, wurde gedroschen. Wagen, Karren, alles was in der Tenne war, kam raus. Der Boden wurde sauber gefegt, einer ging die Leiter hoch und warf die Garben runter, bis der Boden auf beiden Seiten voll war. Dann wurden sie aufgemacht und so auseinandergebreitet, dass Ähren gegen Ähren lagen. Nachdem gedroschen war, wurden die Garben umgedreht und auf der anderen Seite bearbeitet. Zum Schluss band man das Stroh zusammen und zog es in die Scheune hoch. Die Frucht wurde mit der Putzmühle gereinigt, in Säcke abgefüllt und auf die Bühne getragen, dort ausgeleert und wochenlang getrocknet." Gedroschen wurde meistens von 6 bis 8 Uhr, dann gab es zum Morgenessen Haberbrei. Um 12 Uhr war Mittagessen, anschließend putzte man die Frucht. Putzmühlen gab es seit 1860, Dreschmaschinen kamen um 1900 in Gebrauch.
Um den Takt beim Flegeln zu halten, gab es für Anfänger besondere Sprüche, z.B. bei 3 Dreschern: "Friss Rossdreck." Bei 4 Mann hieß es : "Kraut on Spätzle" oder "Suppen schlappen." Bei 5 Dreschern: "Schuldes, du Zipfel".-Bei 6: "Katz haot Supp nagschlabbert."
Im Herbst nach der Obsternte begann in den Bauernfamilien das Mosten, früher eine zeitaufwändige Arbeit. "Feif bis sechs Mao hend z' don ghed wäge zwoa oder drui Oamer Moschd". Man schüttete das Obst, Äpfel und Birnen, in einen großen Steintrog, in dem von Hand ein runder schwerer Stein hin und her gewälzt wurde. Die zerquetschte Obstmasse kam mit Wasser zusammen in die Presse. Most durfte in keinem Haus fehlen. In den letzten Jahren ist seine Beliebtheit wieder gestiegen und hat sich vom "Arme-Leute-Getränk" zu einem gesunden und natürlichen Durstlöscher entwickelt.
Die Früchte der Schlehen wurden früher auch gesammelt und der Most mit dem purpurroten Saft gefärbt. Die schönsten Schlehenbeeren wurden ausgesucht und auf dem Ofen getrocknet, im Winter kaute man sie solange, bis nur noch der Kern übrig war.
"Äpfel geits, on des net wia, landauf, landab on auch hia.
Do siehd mr d' Leid se lesa, uf dr Waga lade,
zur Moste brenga on zur Press na traga.
On wenn's na afängt en de Fässer z'laufe, isch au s' meischde Gschäfd schau dao,
da denkt koaner me dra, Bier z' kaufa, wie mr sonst vielleicht häd dau."
Wenn vor der Ernte der Most ausging, wurden oft Zibeben (Rosinen) gekauft und zum Mosten mit Wasser angesetzt. Ca. 70 Pfund Zibeben kamen in ein 300-l-Fass mit Wasser. Der gegorene Most war so stark, dass er manchen Rausch erzeugte. Ein unbekannter Dichter verfasste dabei folgende Verse:
"Bleibst du sitzen, Mägdelein, und ist verfehlt dein Leben,
dann denke dran, es geben nicht alle Trauben Wein, es muss auch Zibeben geben.".
Übrigens ist das Mosten noch nicht so uralt, wie wir glauben. Seit dem 14.Jahrhundert trank man Wein, der fast überall angebaut wurde. In guten Weinjahren war der Wein sehr billig. In Württemberg kostete 1426 ein Eimer alter Wein 13 Kreuzer und 1481 konnte man eine Maß für ein Ei bekommen. Unsere Vorfahren begnügten sich nicht mit dem Genuss des einfachen Weines, sondern fügten wie die Römer Gewürze, Kräuter, Beeren oder Honig hinzu, kochten den Sud und tranken ihn heiß. Auf diese Art konnten auch schlechte und saure Weine, wie sie auch in Gechingen angebaut wurden, getrunken werden.
Die Arbeit der Bauersfrauen war schwer. Keine elektrischen Geräte, wie Waschmaschine, Elektroherd oder Kühlschrank standen zur Verfügung. Die Frauen arbeiteten in der Landwirtschaft mit, zogen den Nachwuchs auf, kochten, wuschen, putzten, flickten, spannen das Tuch und schneiderten daraus selbst die benötigten Kleider. Der Arbeitstag dauerte durchschnittlich 15 - 16 Stunden. Durch die vielen Geburten, 8 bis 12 Kinder pro Familie waren die Regel, starben viele Frauen in jungen Jahren. Dann war der Witwer der Kinder wegen gezwungen, schnellstens wieder zu heiraten. Die Kindersterblichkeit lag um 1850 in Württemberg bei 34 %, das heißt, von 100 Säuglingen überlebten nur 66.
Zurück zur Frauenarbeit: Die wichtigste Aufgabe war die Versorgung der Familie mit Nahrung. Alle 8 bis 14 Tage wurde Teig angerührt und im Gemeindebackhaus Brot gebacken. Gelagert wurde das Brot auf Gestellen im Keller. Die Mahlzeiten bestanden zum größten Teil aus Mehlsuppen und Mehlklössen, die mit gedörrtem Obst angerichtet wurden. Fleisch und Wurst gab es nur selten. Im Frühjahr und Sommer kamen auch Gemüse und Salat auf den Tisch. Die Küchenarbeit war hart und mühsam. Die offene Feuerstelle in der Küche war die einzige Wärmequelle im Haus und deshalb rußig und voller Rauch. Wasser musste von offenen Brunnen, die oft in einer Entfernung vom Haus waren, geholt werden. Schmutzwasser schüttete man in die Gosse. An Küchengeräten standen nur Pfanne, Kessel, Rührlöffel und ein eiserner Bratspieß zur Verfügung.
Eine weitere schwere Aufgabe war das Wäschewaschen. Es begann mit dem Einweichen der Wäsche am Abend zuvor. Statt Einweichmitteln wurde Holzasche in ein Tuch gefüllt und Wasser darüber gegossen. Stark verschmutzte Wäsche seifte man ein und bürstete sie danach auf dem Waschtisch. Am anderen Morgen wurde die Wäsche aus der Lauge genommen und von Hand ausgewaschen, geschwenkt, in den Waschkessel gefüllt und gekocht. Dazu war notwendig, rechtzeitig Feuer zu machen, um heißes Wasser zu haben. Mit einem Wäschestampfer bearbeitete man die Wäsche im Kessel. Anschließend holte man die Wäsche heraus und wusch sie nach dem Abkühlen mit Kernseife Stück für Stück durch. Danach wurde sie mehrmals zuerst in warmem, dann in kaltem Wasser unter Zusatz von sogenanntem "Wäscheblau" geschwenkt. Nach einiger Zeit wurde die Wäsche ausgewrungen und auf die Leine gehängt.
Später kam dann das Bügeln und Zusammenlegen sowie das Verstauen in den Wäscheschrank. Die Bett- und Tischwäsche mangelten die Frauen von Hand mit einer Holzmangel. Das Ganze war eine sehr zeitaufwendige Arbeit, die sich oft zwei bis drei Tage lang hinzog. Verständlich, dass früher die Wäsche nicht so oft gewechselt wurde wie heute.
Der Wäscheschrank war der Stolz der Hausfrau, den sie mit selbstgestickten Sprüchen schmückte. Zum Beispiel:
"Was Rocken, Webstuhl und Nadel gemacht wird hier fein säuberlich untergebracht.
Willst Du das Ganze richtig verwalten, gilt`s Neues zu schaffen und Altes erhalten."
Oder: "Geblüht im Sommerwinde, gebleicht auf grüner Au,
liegt still es nun im Spinde, als Stolz der deutschen Frau."
Die Mädchen saßen bei Kerzen oder Petroleumlicht und nähten oder stickten an ihrer Aussteuer, lange bevor sie einen Bräutigam hatten. Viel Wäsche bedeutete großes Ansehen und Reichtum. Monogramme in Bettwäsche, Handtücher und Taschentücher wiesen für das ganze Leben aus, was in die Ehe eingebracht wurde.
Nun noch einiges über die Wohnverhältnisse um 1860: Kam man in ein altes Bauernhaus, gelangte man zunächst in den geräumigen Flur, in dem Gerätschaften wie Geschirre, Peitschen und andere Dinge an der Wand hingen. Eine Tür ging zum Stall, der durch kleine Fenster erhellt wurde. Eine Treppe führte vom Flur zum Wohnbereich und zur Küche. Diese war klein, die Wände mit Kalk geweißt. In der Ecke stand der aus Backstein aufgemauerte Herd, über dem sich der offene Rauchabzug befand. An der Wand hing das Schüsselbrett mit Kochtöpfen und Schüsseln, Messingpfannen, Zinntellern usw. Ein Tisch und eine Bank vervollständigten die Einrichtung. Vor dem Fenster hing das "Hafenbritt", der Platz für die irdenen Milchtöpfe und Melkkübel. Die Küche war vor allem im Winter der Aufenthaltsort für die ganze Familie.
Es gab nur ein Schlafzimmer, in dem das Ehepaar mit den kleineren Kindern nächtigte. Die Größeren schliefen wie das Gesinde auf dem Dachboden. In der Schlafstube, auch "Kammer" genannt, standen die beiden Himmelbettladen. Sie füllten fast den ganzen Raum aus. Daneben stand der zu ihnen passende Kasten, ein Kinderbett oder die Wiege.
Die Bauernwohnstube wurde vom Ofen beherrscht. Die Wand zur Küche war durchbrochen und der Herd in die Stube geschoben, er wurde von der Küchenseite aus beheizt. Auf der Stubenseite war entweder eine eiserne Platte mit Wappen und Verzierungen oder es wurde die ganze Wand mit Tontafeln verkleidet. Diese Plättchen waren mit Sprüchen bemalt, die von Liebe, vom Essen und Trinken sowie über Beobachtungen aus der Natur berichteten. Aber auch Rätsel, Strophen aus Liedern oder Gesangbüchern wechselten sich ab. Hergestellt wurden diese Tontafeln in Dachtel, Gärtringen, Simmozheim und Weil der Stadt. In Gechingen ist eine Fotografie bekannt, die aus dem Jahr 1920 stammt und vier Ofenplättchen mit folgenden Sprüchen zeigt:
"Um der Wölfe willen will der Faule nicht pflügen,
so muss er in der Ernte betteln, und nichts kriegen."
"Eh ich ließ meinen Schatz ließ ich's Leben auf dem Platz."
"Sei ohne Falsch wie die Tauben."
Auf dem vierten Plättchen stand: "Georg Simon Gehring 1760" Dieser lebte von 1760 bis 1840; er war Metzgermeister und mit Anna Margaretha geb. Rüffle verheiratet.
Über dem Ofen hing ein Stangengerüst, das "Ofengrähm" zum Trocknen von Wäsche. Hinter dem Ofen und entlang der Wand gab es Sitzgelegenheiten für mehrere Personen, die vor allem im Winter beim "Lichtkarz" zusammenkamen. In der anderen Ecke des Zimmers stand der Tisch aus Eichenholz mit 2 oder 3 Stühlen. Eine Wiege, ein Spinnrad und eine Kunkel ergänzten das Mobiliar. Wände und Decken der Wohnstube waren oftmals mit Holz verkleidet.
Unsere Vorfahren bauten Fachwerkhäuser, wie sie vereinzelt in Gechingen noch erhalten sind. Teilweise trotzen sie schon 400 Jahre Sturm und Wetter. Aus mächtigen Balken gezimmert, sind sie ineinander eingelassen und verdübelt. Dübel sind starke Holznägel, die das Fachwerk zusammen halten. Die Zwischenräume oder Gefache waren mit einem Geflecht aus Buchen- oder Hasel-nussstecken ausgefüllt, die dann mit einem Lehm-Stroh-Gemisch bestrichen wurden. Die Bauordnung von 1654 forderte bei Neubauten das Ausriegeln mit Stein, dazu verwendete man bei uns Feldkalksteine. Die Dächer waren zur Zeit des 30jährigen Krieges durchweg noch mit Stroh bedeckt, sind dann aber auf behördliche Anordnung nach und nach durch Ziegeldächer ersetzt worden, sodass 1860 kein Haus in Gechingen mehr mit Stroh gedeckt war.
Schon 1773 gründete Herzog Karl Eugen die Württembergische Gebäudebrandpflichtversicherung, die bei Feuer- und Sturmschäden einsprang.
Die 12 Monate im Bauernspruch
Wächst das Gras im Januar, wächst es schlecht das ganze Jahr.
Im Jänner viel Regen und Schnee tut Saaten, Wiesen und Bäumen weh.
Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee.
Heftige Nordwind im Februar vermelden ein fruchtbares Jahr;
wenn der Nordwind aber im Februar nicht will, so kommt er sicher im April.
Feuchter, fauler März ist des Bauern Schmerz.
Märzenschnee tut Frucht und Weinstock weh,
Merzenregen bringt wenig Segen.
Wenn der April Spektakel macht, gibt's Heu und Korn in großer Pracht.
Je früher im April der Schlehdorn blüht, desto früher der Schnitter zur Ernte zieht.
Der Maien kühl, der Brachmonat nass, füllen uns Scheunen und Fass.
Regen im Mai gibt für das ganze Jahr Brot und Heu.
Gibt's im Juni Donnerwetter, wird's Getreide immer fetter.
Juni trocken mehr als nass, füllt mit gutem Wein das Fass.
Was der Juli und August nicht kocht, lässt der September ungebraten.
Wenn die Ameisen ihre Haufen im Juli höher machen, so folgt ein strenger Winter.
Wenn's im August stark tauen tut, dann bleibt das Wetter meistens gut.
Der Tau tut im August so not wie jedermann das täglich Brot
Am Septemberregen ist dem Bauern viel gelegen.
Bringt der Oktober viel Frost und Wind, werden Januar und Februar gelind.
Warmer Oktober bringt fürwahr uns sehr kalten Februar.
Blühen im November die Bäume neu, hält der Winter bis zum Mai.
Viel und lange Schnee gibt viel Frucht und Klee.
Dezember kalt, mit Schnee gibt Korn auf jeder Höh.
Hängt zu Weihnachten Eis in den Weiden, kannst du zu Ostern die Palmen schneiden.
Lostage des Bauernjahres
06.01. Nach Dreikönigstag wächst jeder Tag um einen Hahnenschrei.
20.01. Fabian, Sebastian,fängt der rechte Winter an.
02.02. Lichtmess, Spinnen vergess, bei Tag zu Nacht ess.
14.02. Valentins Eier müssen schnell ans Feuer.
12.03. Um Gregor kommt die Schwalbe vor.
19.03. Lein gesät am Marientag,wohl dem Nachtfrost trotzen mag.
03.04. Christian fängt zu säen an.
16.04. Daniel zum Erbsensäen wähl.
01.05. Wer am Maienabend setzt Bohnen, dem wird’s lohnen.
24.05. Lein, gesät an Esther, wächst am allerbesten.
08.06. Wer auf Medardus baut, kriegt viel Flachs und Kraut.
27.06. Ist Siebenschläfer ein Regentag, regnet’s noch 7 Wochen danach.
08.07. Sankt Kilian stellt Schnitter an.
20.07. Margarete, bringt den Flachs auf’s Beete.
10.08. An Laurentius man pflügen muss.
24.08. Bartholmai schüttet Äpfel und Birnen ei.
08.09. Maria Geburt, ziehen die Schwalben furt.
29.09. Michel, steckt das Licht an, das Gesind muss zum Spinnen ran.
15.10. Hedwige gibt Zucker in die Rübe.
21.10. An Ursula muss das Kraut herein, sonst schneit es ein.
10.11. Sankt Martin, macht Feuer im Kamin, dann, o Mädel ,greif zum Rädel.
25.11. Sankt Kathrein, stellt den Tanz ein.
13.12. Sankt Luzia, kürzt den Tag, soviel sie ihn kürzen mag.
24.12. Der Tag nimmt an Weihnachten einen Hahnenschrei, Heilige Drei Könige einen
Hirschsprung, Lichtmess, eine ganze Stund zu.
Alte Wettersprüche
Morgenrot, der Regen droht. Abendrot, ist's Morgen gut.
Früher Sonnenschein bringt abends Regen ein.
Wenn die Sonne Wasser zieht, wird schlechtes Wetter.
Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich's Wetter oder 's bleibt, wie es ist.
Sonnenschein und Regen bringen viel Segen.
Der Mond ist des Bauern Kalender.
Vollmond mit Wind ist zu Regen gestimmt.
Wenn der Mond hat einen Ring, so folgt Regen aller Ding.
Steigt morgens der Nebel empor, so steht Regen bevor.
Wenn abends dicker Nebel liegt, dann das schöne Wetter siegt.
Schäfchenwolken am Himmel weiden, gute Tage bedeuten.
Weiße Wolken bringen keinen Regen, aber schwarze.
Wetter und Wind ändern sich geschwind.
Dreht zweimal sich der Wetterhahn, zeigt er Sturm und Regen an.
Westwind und Abendrot machen die Kälte tot.
Morgenregen und Weiber Weh sind um 10 nimmermehr.
Ein guter Tau ist soviel wert wie ein schlechter Regen.
Auf schwüle Luft folgt Donnerwetter.
Der Blitz trifft mehr Bäume als Grashalme.
Bei Donner im Winter ist viel Kälte dahinter.
Donnert's überm kahlen Wald, wird's nochmal kalt.
Ist's in diesem Jahre trocken, gibt's im nächsten Jahr viel Roggen.
Wenn die Hunde und Hennen Gras fressen, ist Regen zu erwarten.
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.
Wenn die Schwalben fischen, kommt ein Gewitter.
Wenn die Kröten laufen, wollen sie Regen saufen.
Der Finken lauter Schlag bedeutet einen Regentag.
Die Mücken tanzen, dann kommt schönes Wetter.
Starker Tau hält den Himmel blau.
Kommt ein Wetter von Westen her, gibt es ein Gewitter schwer.
Ist's Morgen’s rot vom Sonnenloch, regnet's nicht, so windet's doch.
Mariä Geburt, ziehn die Schwalben furt.
Wird Mariä Geburt gesät, so ist es nicht zu früh und nicht zu spät.
Wie sich`s Wetter um Mariä Geburt tut halten, so wird es sich noch vier Wochen gestalten.
Ist Gorgon schön, wird man wenig schöne Tage sehn.
Bringt St. Gorgon Regen, folgt ein Herbst mit bösen Wegen.
St.Gorgon, treibt die Lerchen davon.
Mathies macht die Trauben süß.
Wenn Matthäus weint statt lacht, aus dem Wein er Essig macht.
Matthäus hell und klar, bringt guten Wein im nächsten Jahr.
Michael mit Nord und Ost, verkündet einen scharfen Frost.
Michaelkorn, ist schon halb verlor`n.
Auf nassen Michaelstag nasser Herbst folgen mag.
Wer michelt, der sichelt.
An Michaeli kauft man gut Vieh.
Sind Michael noch die Vögel da, so ist der Winter noch nicht nah.
Wenn der September noch donnern kann, setzen die Bäume viel Blätter an.
Wenn Septemberregen den Winzer trifft, ist er so schlecht wie Gift.
Viel Eicheln im September, viel Schnee im Dezember.
Im September Gewitter, viel Schnee im März, ein reiches Kornjahr allerwärts.
Wittert`s im September noch, liegt im März der Schnee noch hoch.
Nach Septembergewittern wird man im Hornung vor Kälte zittern.
Septemberregen kommt Saaten und Reben gelegen.
Nach Martinitag viel Nebel sind, so wird der Winter meist gelind.
Ist St. Martin trüb, wird der Winter lieb.
Ist St. Martin hell, wird es kalt für äll.
Wie St. Martin führt sich ein, soll zumeist der Winter sein.
Ist um Martine der Baum schon kahl, macht der Winter keine Qual.
Wenn`s Laub nicht vor Martini fällt, kommt ne große Winterkält.
Wenn`s Laub nicht vor Martini fällt, sich der Winter lange hält.
Hat Martini weißen Bart, wird der Winter lang und hart.
St Martin weiß, Winter hart und kalt.
Schneit es auf Martini ein, wird eine weiße Weihnacht sein.
Wenn um St. Martin Regen fällt, ist`s um den Weizen schlecht bestellt.
Auf Martini Sonnenschein, tritt ein kalter Winter ein.
St. Martins Sommer währt nicht lange.
St. Martin setzt sich schon mit Dank zum warmen Ofen auf die Bank.
Ist die Martinigans am Brustbein braun, wird man mehr Schnee als Kälte schaun. Ist sie aber weiß, kommt weniger Schnee und Eis.

Der Hopfenanbau

Verschwunden ist der Hopfenanbau, die Äcker mit den langen Fichtenstangen und den daran emporwachsenden Hopfenranken. Der Hopfen zählt zur Gattung der Maulbeergewächse, ist eine zweihäusige Schlingpflanze und unentbehrlicher Rohstoff zur Bierherstellung. Die männliche Pflanze bildet grüne Scheindolden, die weibliche traubenförmig gestellte zapfenartige Kätzchendolden, deren Schuppenblätter die harz- und bitterstoffreichen goldgelben Drüsen tragen. Dieser Lupilin benannte Bitterstoff verleiht dem Bier den würzigen Geschmack.
Vor dem Einpflanzen der Stecklinge wurde das Feld tief umgegraben. Nur tiefgründige Böden waren zum Anbau geeignet, vor allem Kalkböden. Die Stecklinge holten die Bauern aus dem Herrenberger Anbaugebiet. Einmal gepflanzt, war der Austrieb für 10-12 Jahre gesichert. Im zeitigen Frühjahr wurde der kurze Stock, der im Herbst nach der Ernte stehen blieb, zurück geschnitten, damit die jungen Triebe wie beim Spargel sprossen konnten. Rasch wurde es dann Zeit, die 8-10 m hohen Fichtenstangen einzusetzen. Mit dem schweren Hopfeneisen machte man Löcher und setzte vorsichtig, damit die Triebe nicht beschädigt wurden, die Stecklinge ein. Sie mussten dann an den Stangen angebunden werden. Das ganze Jahr über spritzte man den Hopfen mehrmals, um Schädlinge abzuhalten. Bei der Ernte wurden die Ranken von der Stange abgeschnitten, hingelegt und vorsichtig abgelöst. Der starke untere Teil der Ranke bis zum Boden wurde gesondert gebündelt und bei der Getreideernte als Garbenbinder verwendet. Vorher mussten sie einige Zeit in Wasser eingeweicht werden, damit sie geschmeidig wurden. Waren die Ranken in der Scheuer, begann das Hopfenzopfen. Jeder Pflücker hatte seine bestimmte Familie, bei der er jedes Jahr pflückte. Nach dem Zopfen musste der Hopfen getrocknet und gedörrt werden. Auf der Bühne, auf den Speichern, den Fruchtböden und wo sonst ein geeigneter Platz war, stellte man Hopfendarren auf. Auch im Gemeindebackhaus wurde über dem Backofen Hopfen gedörrt. Ein gut aufbereiteter, gesunder, wohlriechender Hopfen brachte einen schönen Erlös.
Eine technische Änderung beim Anbau des Hopfens trat um 1920 ein. Man begann moderne Drahtanlagen aufzustellen, welche über Jahre stehen bleiben konnten. Große schwere Baustangen wurden als Gerüst mit Flaschenzügen hochgestellt und mit starken Drähten am Boden verankert. In der Höhe spannte man Längsdrähte und von dort aus senkrechte Drähte zu den einzelnen Stöcken. Diese senkrechten Drähte konnte man aus der Verankerung lösen und den reifen Hopfen im Herbst herunterziehen. Das jährliche Aufstellen und Abbauen der vielen einzelnen Stangen fand damit ein Ende. In Gechingen wurden 1934 etwa 154 Ar Hopfen angebaut. Davon waren 8 Ar auf schlechtem Boden, sodass das Oberamt Calw 3 ar aushauen ließ. Mit Beginn des 2.Weltkriegs wurde der Hopfenanbau zu Gunsten des Getreideanbaus eingestellt. 1940 gab es 1 RM Prämie für jeden ausgehauenen Stock.


Allgemeines über alte Handwerkstraditionen
Schon früh schlossen sich die Handwerker in Zünften zusammen und bewahrten ihr Brauchtum. In der Monographie zur Deutschen Kulturgeschichte von 1901 steht: "Nach der Lehre griff der Geselle zum Wanderstab, um draußen die Welt kennenzulernen und sich in seinem Handwerk weiterzubilden und Erfahrungen zu sammeln. Die Rangordnung zwischen Meister, Geselle und Lehrling war früher besonders ausgeprägt und in der Zunftordnung streng geregelt.
Außer den Zünften bestanden noch Stubengesellschaften. Jede Gesellschaft und jede Zunft führte einen besonderen Namen. Sie waren zugleich politische, militärische, kirchliche, gesellige und gewerbliche Kreise der Bürgerschaft, sie waren Vereine, welche eine Gemeinschaftlichkeit des öffentlichen Lebens bezweckten. Bei den Handwerkern des Mittelalters hießen die Arbeitsgehilfen nicht wie heutzutage Gesellen, sondern Knechte. Erst vom Schluss des Mittelalters an wurde das Wort "Geselle" gebräuchlich. Dagegen hat sich das Wort "Knecht" bei einigen Handwerkern noch länger erhalten. Die Lehrlinge hießen im Mittelalter "Lehrknaben". In die Lehre nahm man im Mittelalter selten einen, dessen Vater nicht schon das betreffende Handwerk betrieben hatte. Die Hauptbedingung war, dass der Lehrknabe ehelich geboren war. Diese Voraussetzung bestand bei allen Zünften und wurde streng eingehalten. Die Kinder von Land-, Gerichts- und Stadtknechten, Gerichts-, Fron- und Feldhütern, Totengräbern, Turm- und Nachtwächtern, Bettelvögten, Gassenkehrern, Pförtnern, Schäfern, Pfeifern, Musikanten, Gauklern, Taschenspieler oder gar von Schergen, Stockmeistern und Scharfrichtern konnten unter keiner Bedingung ein Handwerk erlernen. Sogar die Kinder von Leinewebern, Barbieren und Müllern waren davon ausgeschlossen. Deshalb war der vollständige Geburtsbrief der notwendigste Bestandteil zur Aufnahme in die Lehre. Erst die Reichsgesetze von 1772 machten diesem Unwesen ein Ende. In der Regel schrieben die Innungsstatuten eine Probezeit von 14 Tagen bis 4 Wochen vor. Wurde der Lehrknabe für tüchtig befunden, so stellte ihn der Lehrmeister dem Zunftmeister vor. Die Lehrzeit selbst dauerte 2 - 3 Jahre. Jeder Lehrling musste einen kleinen jährlichen Beitrag zur Zunftkasse entrichten. Meistersöhne brauchten in der Regel nicht so lange lernen wie andere. Starb der Meister und das Geschäft wurde nicht fortgeführt, so war die Handwerkszunft verpflichtet, den Lehrknaben für die noch fehlende Zeit bei einem anderen Meister unterzubringen.
War die Lehrzeit beendet, so kam das "Freisprechen". Bei den Küfern, Schmieden und Schlossern, den Maurern, Tischlern usw. war dieser Akt mit großen Zeremonien verbunden. Beispielsweise bei den Metzgern musste der Ausgelernte ins Wasser springen, um den dummen Jungen abzuwaschen. Dieser Brauch ist bis heute noch bei den Schriftsetzern erhalten geblieben, die nach Ablegung ihrer Gesellenprüfung "gegautscht" werden. Mit der Aushändigung des Lehrbriefes war die erste Periode im Leben des Handwerkers abgeschlossen, er war nun Geselle.
Über die Pflichten des Ausgelernten sagt eine alte Zunftordnung: "Hat ein Lehrling seine Lehrjahre richtig ausgestanden und er ist richtig von seinem Meister freigesprochen, so ist er verpflichtet, bei seiner ersten Vorstellung bei den Altgesellen seinen Namen ins Gesellenbuch zu schreiben. Dafür darf er noch extra einen Reichstaler in die Lade legen. Damit besser Ordnung gehalten werde, so soll dem Ausgelernten sein Lehrbrief nicht eher abgefolget werden, bis er sich bei der Gesellenlade angefunden und eine Bescheinigung beigebracht hat. Mit einem Lehrjungen darf sich kein Geselle "gemein" machen, er darf weiter mit keinem solchen Trinken oder Spielen. Im Falle der Zuwiderhandlung kostet es ihn 6 Groschen Strafe." Von den Knechten oder Gesellen ist in den Zunftgesetzen noch mehr die Rede als von den Lehrlingen. Die wichtigsten Gesetze waren gegen die Gefahr gerichtet, dass die Knechte sich gegen die Meister zusammenschlossen oder gar streikten. Die Knechtsbruderschaften waren die Interessenvertretung der Gesellen.
Die Hauptaufgabe des Gesellenstandes war die Wanderschaft. Auf einer drei- bis fünfjährigen Wanderschaft sollte der junge Geselle nicht nur Land und Leute kennenlernen, sondern er sollte seine Kenntnisse erweitern, mit einem Wort, sich praktisch zum selbständigen Meister vorbereiten. Das Wanderwesen war aber noch von einer Menge Regeln und Gebräuchen begleitet, die dazu dienten, die Handwerkszugehörigkeit zu dokumentieren. Pässe oder gar Wanderbücher gab es noch nicht, der Lehrbrief oder ein Taufzeugnis genügte als Ausweis. Wichtiger als diese Papiere waren die Handwerksgewohnheiten. Wer dieselben nicht kannte, war kein rechter Geselle.
Zog ein Junggesell oder Jungknecht aus, so begleiteten ihn die übrigen Knechte bis in den nächsten Ort. In der vorhergehenden Bruderschaft oder Gesellenversammlung hatte der Altgeselle gefragt: "Ist einer oder der andere wandermäßig und begehrt das Geleite zum Tor hinaus von mir und allen ehrlichen Knechten, so soll's ihm widerfahren." Dem Wandergeselle wurde sodann ein Gruß an das Handwerk der nächsten Stadt aufgetragen, der lautete: "Grüß mir Meister und Knechte, soweit das Handwerk redlich ist. Ist's aber nicht redlich, so nimm Geld und Geldeswert, und hilf’s, redlich machen. Ist's aber auch nicht redlich zu machen, so nimm Dein Bündel auf den Rücken, Deinen Degen an die Seite und lass Schelm und Diebe sitzen." Diese Formel rührt aus Zeiten her, in denen es dem Gesellen noch gestattet war, einen Degen zu tragen. Wenn nun ein Wandergesell zur Herberge kam, musste er sein Bündel oder Felleisen ordentlich aufgeschnallt auf beiden Achseln tragen, die Handschuh in der Linken, den Stock in der Rechten. Wenn er in die Herberge eintrat, musste er folgenden Gruß bringen: "Guten Tag ! Gott ehre das Reich, Gott ehre das Gelag, Gott ehre den Herrn Vater, die Frau Mutter, Brüder und Schwestern und alle frommen Knechte, wo sie versammelt sein, sei es gleich hier oder anderswo." Trat er in die Stube, sagte er zu den Anwesenden: "Mit Gunst, ihr Brüder, wo oder welcher ist der Herr Vater?" Wenn ihm der gezeigt wurde, so trat er auf denselben zu mit folgenden Worten: "Mit Gunst, ich will den Herrn Vater gebeten haben, er wolle mich beherbergen, ich will mich verhalten, wie es frommen Knechten gebührt und wohl ansteht, hier und anderswo." Nickte der Herbergsvater ihm zu, sprach der Geselle weiter: "Mit Gunst, ich will den Herrn Vater gebeten haben, er wolle mir vergönnen, mein Bündel wegzulegen." Darauf legte er sein Felleisen unter die Bank, denn auf den Tisch oder auf die Bank durfte er es nicht legen. Dann trat der Herbergsvater herzu, holte das Bündel unter der Bank hervor und legte es auf die Bank. Damit war der Wanderer aufgenommen. Wenn es Abend wurde, musste der, welcher zuletzt eingetroffen war, um das Bruderbett bitten. Kannte er die Stunde nicht genau, so musste er die andern fragen: "Mit Gunst, ihr Brüder, um wie viel Uhr wird hier ums Bruderbett gebeten?" Hatte er die Zeit erfahren, so trat er vor den Herbergsvater und sagte: "Mit Gunst, ich will den Herrn Vater gebeten haben, er wolle mir vergönnen, in dem Bruderbett zu schlafen. Ich will mich verhalten, wie es frommen Knechten gebührt. " Zur Winterszeit durfte ein Knecht sich nicht vor 8 Uhr und im Sommer nicht vor 9 Uhr ins Bruderbett legen und morgens nicht länger als bis 6 Uhr liegen bleiben."
Auch viele Handwerksburschen aus Gechingen, wie Schmiede, Schreiner, Glaser oder Metzger  waren früher auf der "Walz". Sie kamen dabei auch ins benachbarte Ausland, z.B. in die Schweiz, in das Elsass oder nach Österreich. Ebenso zogen zahlreiche Gesellen durch Gechingen. Um 1875 waren es ungefähr 150 Durchziehende im Jahr, von denen jeder von der Gemeinde 2 Kreuzer Zehrgeld erhielt. Da das Rathaus nicht immer besetzt war, zahlte Kaufmann Unger das Zehrgeld aus und berechnete die Ausgaben am Jahresende der Gemeinde.
 Hier einige „anerkannte“ Handwerksberufe:

 Der Wagner

"Der Wagner
Ich mach Räder, Wägen und Kärrn Roll und Reysswägen für gross Herrn,
Kammerwägen, den Frauwen klug Auch mach ich dem Bauwren den Pflug
Und darzu auch Schleyfen und Egn Thus als mit gutem Holtz verlegn
Ich arbeit hart bey meinen tagn Friges erfundn erstlich den Wagn."
Die wichtigste Arbeit, die der Wagner verrichtete, war der Wagenbau. Stabil mussten die Wägen sein, denn schwere Lasten mussten auf oft fast unpassierbaren Wegen und Straßen befördert werden. Ein großer Vorrat an gutem Holz war für die Wagenherstellung notwendig. Aus der Werkstatt des Wagners kamen auch Stiele für Werkzeuge, Pickel, Schaufeln, Hauen, Hämmer und Schlegel, dazu Leitern für die Landwirtschaft und weitere Gegenstände, vom Heurechen bis zum kleinen Leiterwägelchen.
Zu den Anfangszeiten der Automobilherstellung war dieser Beruf sehr wichtig, waren doch früher die tragenden Teile der Karosserien in Holz ausgeführt. Jedoch konnte der Wagner allein oft kein fertiges Produkt liefern, dazu war noch die Arbeit des Schmiedes notwendig.

 Der Schmied

"Der Schmidt
Ich Huffschmidt ka die Pferd beschlagn Darzu die Räder, Karn und Wagn
Schwäntzen und Lassen ich wol kan Den Pferden, die auch Schäden han
Ich kan heylen, Retzen und Reiden Den Feyfel und die Angstel schneidn
Zu den Ciclopen trag ich Gunst Die erfunden dess Schmidwerks Kunst."
Der Schmied genoss eine gewisse Sonderstellung im Ort, und zwar war er Helfer in der Not für Mensch und Tier. Der Weg zum Tierarzt war oft weit und vor allem im Winter beschwerlich, oft unmöglich. Der Schmied war im Ort und mit seiner Hilfe konnte gerechnet werden, sei es bei einem kranken Pferd, bei einer Fehlgeburt im Stall oder einem Unfall. Seine Hauptaufgabe war das Beschlagen der Zugtiere, Kühe, Ochsen und Pferde. Er fertigte Äxte, Beile, Sensen, Sicheln und vieles andere. Einige spezialisierten sich auf Wagenbau, Huf- oder Waffenschmied. Es gab auch den Beruf des Nagelschmiedes.
"Der Nagler.
Ein Nagelschmid bin ich genannt Mach eysern Negel mit der Hand
Allerley art auff meim Amboss Kurtz unde Lang, Klein und auch Gross
Bühnnegel, Schuchzweck, ich machen thu Halbnegel, Pfenningnegel starck
Find man bey mir, an offnem Mark."
In Gechingen waren mehrere Nagelschmiede zur gleichen Zeit tätig, welche gegen gute Bezahlung Nägel in allen Größen herstellten.

 Der Sattler

"Der Sattler
Wolher, wer Sättel hab zumachn Den Edlen, und zu Reysingsachn
Schön Sättl für das Frauwenzimmer Darauff sie Höflich prangn immer
Auch Stächsättel, und zum Thurnier Allerley art findt ir bey mir
Auch Sättel für Bauwrn und Fuhrleut Gut Ross Kummaht ich auch anbeut."
Wo es Reittiere, Zugtiere und Wagen gab, brauchte man den Sattler, dessen Arbeit darin bestand, die Verbindung zwischen Tier, Mensch und Fahrzeug herzustellen. Meisterwerke waren die Kummet mit Beschlägen und Messingrosetten, die in der Sonne blitzten. Der Sattler wusste genau, wie er dem Tier durch die Form die Anpassung, die Polsterung und den Sitz auf der Brust die Arbeit erleichtern konnte.
Aber auch andere Arbeiten gab es für den Sattler genug, sein Lager enthielt Leder in allen Qualitäten, Riemen, Seile, Stricke, Treibriemen für Motoren. Nicht zu vergessen die meist sehr schönen Decken für die Pferde. Sie waren oft kunstvoll mit Leder eingefasst und am Ende über Eck der Name des Besitzers eingestickt. Stand eine Hochzeit in Aussicht, war der erste Weg zum Sattler. Die Aussteuer der Braut sollte ein Leben lang halten. Der Stolz der Braut wurde sichtbar, wenn der ganze Besitz mit den von Hand gearbeiteten Matratzen hoch auf dem Leiterwagen zur zukünftigen Heimat der Braut geführt wurde. Ebenso wie der Wagner war auch der Sattler in der Anfangszeit der Automobilherstellung unent-behrlich. Sitze und Polster entstanden unter seinen fachmännischen Händen. Er verwendete verschiedenes Polstermaterial, wie Elagrine: Kunststofffasern, Kapok: Pflanzendaune, Fruchtwolle des Kapokbaumes, Rosshaar: Schweif und Mähnenhaare der Pferde, Seegras: Lange grasartige Blätter der im Meeresschlamm wachsende Pflanze, die getrocknet wurden.

Küfer

"Der Bütner
Ich bin ein Bütner, und mach stoltz Auss Förhen, Tennen, Eichenholtz
Badwann, Schmaltzkübl, Scheffel un Geltn Die Bütten und Weinfässer, weltn
Bierfässer machn, bichen und binden Waschzübr thut man bey mir finden
Auch mach ich Lägl, Fässer und Stübch Gen Frankfurt, Leiptzig und Lübig."
So lautet ein alter Spruch des Küferhandwerkes. Der Küfer wurde auch Böttcher, Binder, Fassbinder, Büttner, Schäffler oder Kübler genannt. In früheren Zeiten waren Tonnen und Fässer das beste Verpackungsmaterial, Butter, Tran, Fleisch, Fisch, Getreide, Erze und Bücher wurden darin transportiert.
Die Herstellung von Bier-, Wein- und Mostfässer aus Eichenholz war die Hauptbeschäftigung des Küfers. Außerdem stellte er Güllefässer, Wasch- und Badezuber sowie Kübel in verschiedenen Größen, Schöpfeimer und Kellen her. Das gerade gewachsene Holz spaltete er passend in verschiedene Längen und ließ es ein bis zwei Jahre im Freien trocknen. Die Fassdauben dämpfte man mit Feuer und Wasser und presste sie dann mit Reifen in die Form. Genaues und pünktliches Arbeiten war unbedingt notwendig, damit die verschiedenen Behälter dicht wurden.

Seiler

"Der Seyler
Ich bin ein Seyler, der zum theil Kan machen die langen Schiffseyl
Auch Seyl zum bauw, dran man allein Auffziech Mörder, Zimmerholtz un Stein
Ich kan auch machen Garn und Netz Zur Jägerey und zu der Hetz
Darzu auch Fischnetz, gross und klein Sondt auch allerley Strick gemein."
Zwar machten die Seiler bei uns keine Fischnetze, aber Seile und Stricke für die Landwirtschaft fanden ständige Abnehmer. Auf der so genannten "Seilerbahn" wurden aus dem hier  angepflanzten Hanf und Flachs Seile und Stricke von Hand gedreht, da Wasserkraft nicht zur Verfügung stand. Sie fertigten Garbenstricke, Wäscheleinen, Sackbänder, Bindfäden und Netze.
Das Seilerrad bestand aus einem großen Schwungrad, das von einem Gehilfen gedreht werden musste. Mit einer Treibschnur wurde die Drehbewegung auf einen einfachen Haken beim Seilerrad übertragen. Später wurden Spindeln hinzugefügt.

Bäcker

"Der Beck
Zu mir rein, wer Hungers not Ich hab gut Weitz und Rocken Brot
Auss Korn, Weitzen und Kern, bachen Gesaltzn recht, mit allen sachen
Ein recht gewicht, das recht wol schmeck Semmel, Bretzen, Laub, Spuln un Weck
Dergleich Fladen und Eyerkuchn Thut man zu Ostern bey mir suchn."
Früher gab es folgende Bäcker im Ort: den Dorfbäck (Christian Gräber) in der Kreuzstraße, den Geißbügelbeck (Fritz Mörk) in der Kirchstraße, den Stafflenbeck in der Althengstetter Straße, den Dorfäckerbeck (Julius Böttinger) in der Dorfäckerstraße, den Schulhausbeck (Georg Gottlob Mörk) in der Brunnenstraße, den Hauptstraßenbeck (Friedrich Rex) in der Hauptstraße und den Schafgassbeck mit Weinausschank in der Weingartenstraße.
Brot ist eines der ältesten Nahrungsmittel. Schon vor 8000 Jahren wurde Fladenbrot gebacken. Um 750 n. Ch. wurde das Brotbacken überwiegend an Fronhöfen und in Klöstern ausgeübt. Die übrige Bevölkerung aß Brei aus Mehl. Um das Jahr 1000 n. Ch. entwickelte sich der Beruf des Bäckers. Bei amtlichen Brotschauen wurden im Mittelalter der Preis, das Gewicht und die Qualität des Brotes kontrolliert. Nach und nach spezialisierten sich die Bäcker. Der Schwarzbäcker produzierte Roggen und halbweiße Brote, der Weißbäcker alle Sorten von Hefe und Mischbrote und Kuchen. Zuckerbäcker sind die Vorläufer der Konditoren.

Metzger

"Der Metzger
Hieher, wer Fleisch nit kan gerathen zu Sieden, Kochen und zu Brathen
Von Ochsen, Kelber, Schaffen un Schwein Gut, feist, die frisch gestochen seyn
Gut vorricht, Kalbsköpff, Füss und Kröss Kuttelfleck, Ochsenmägen sind nit böss
Welcher mir bar Gelt zelet auff Dem wil ich geben guten Kauff."
Fleisch ist ebenfalls ein wichtiges Nahrungsmittel. Im Mittelalter entstand der Beruf des Fleischers oder Metzger, vorher haben sich die Menschen selber versorgt. Sie wurden auch Knochenhauer oder Fleischhacker genannt. Auf den Märkten hielten die Metzger in Buden ihre Waren feil. Der Beruf des Viehhändlers gehört auch zum Metzgerhandwerk. Viehhändler reisten zum Viehkauf über Land und nahmen dabei auch Briefe mit, die so genannten Metzgerpost. Die mittelalterlichen Schlachthäuser waren meist neben oder über dem Wasser gebaut. Man brauchte viel Wasser zum Reinigen und konnte die Schlachtabfälle so leicht entsorgen.

Schuhmacher

"Der Schuhmacher
Hereyn, wer Stiffl und Schuh bedarff Die kan ich machen gut und scharff
Büchsn, Armbrosthalffter und Wahtdeck Feuwreymer und Reysstruhen Deck
Gewachtelt Reitstieffl, Kürisschuch Pantoffel, gefüttert mit Thuch
Wasserstiffl und Schuch aussgeschnittn Frauwenschuch, nach Höflichen sittn."

Schneider

"Der Schneider
Ich bin ein Schneider, mach ins Feld Den Kriegesfürsten ire Zelt
Mach Renndeck zu Stechn und Thurnier Auff Welsch und Frantzösisch Manier
Kleid ich sie gantz höfflicher art Ir Hofgsind und die Frauwen zart
Kleid ich in Sammet Seiden rein Und in wullen Thuch die Gemein."

Zimmermann

"Der Zimmermann
Ich Zimmermann, mach starck gebeuw In Schlösser, Heusser, alt und neuw
Ich mach auch mancherley Mülwerck Auch Windmüln oben auff die Berg
Über die Wasser starcke Brückn Auch Schiff und Flöss, von freyen stückn
Blochheusser zu der gegenwehr Dedalus gab mir diese Lehr."

Schreiner

"Der Schreiner
Ich bin ein Schreiner von Nürenberg Von Flader mach ich schön Teflwerck
Verschrottn, und versetzt mit zier Leisten und Sims auff Welsch monier
Thrun, Schubladn, Gwandbehalter Tisch, Bettstat, Brettspiel, Giesskalter
Gefirneust, köstlich oder schlecht Eim jedem umb sein pfenning recht."

Glaser

"Der Glasser
Ein Glasser war ich lange jar Gut Trinkgläser hab ich fürwar
Beyde zu Bier und auch zu Wein Auch Venedischglasscheiben rein
In die Kirchen, und schönen Sal Auch Rautengläser allzumal
Wer der bedarff, thu hie einkern Der soll von mir gefürdert wern."

Buchbinder

"Der Buchbinder
Ich bind allerley Bücher ein Geistlich und Weltlich, groß und klein
In Perment oder Bretter nur Und beschlags mit guter Clausur
Und Spangen,und Stempff sie zur zier Ich sie auch im anfang planier
Etlich vergüld ich auff dem schnitt Da verdien ich viel geldes mit."

Maler

Im 13.Jahrhundert gab es die ersten Malervereinigungen unter der Bezeichnung „die Schilderer.“Sie führten Wand und Deckenmalereien in Kirchen, Klöstern und öffentlichen Gebäuden aus. Weiter bemalten sie Fahnen, Wappen, Möbel und Schilder.
Die Tüncher (Weißmaler) versahen die Fassaden der Häuser mit Kalk oder Leimfarben. Außerdem verzierten sie Fenster und Türumrahmungen. Verwendet wurden Trockenpigmente für Ocker, Umbra, Rot und Braun. Sie wurden mit Lein oder Nussöl angemischt. Mit Schablonen, die die Maler selbst anfertigten, erzeugten sie Friesbänder. Mit Walzen und Rollen, die verschiedene Muster hatten, verschönten sie die Innenwände. Tapeten leisteten sich früher nur wenige.

Gipser/Stuckateur

Schon vor 7000 Jahren kannte man diesen Beruf. In Deutschland ist er seit 1545 bekannt. Gemeinsam mit Malern und Bildhauern gestalteten sie prachtvolle Räume in Klöstern, Kirchen und Schlössern. Vor allem im Rokoko kam ihre Kunst zum blühen.
Früher wurde bei jedem Neubau eine Kalkgrube eingerichtet. Der Kalkputz gilt immer noch als der gesündere Verputz, da er Feuchtigkeit besser aufnimmt und abgibt als Gips.
Die Stuckkunst hat zwar heute ihre Bedeutung verloren, doch als Gipser zur Fassadengestaltung und Verputzen von Innenräumen sind sie weiter im Einsatz.

Drechsler oder Dreher

Das Drechselhandwerk ist ein altes Gewerbe. Schon die Etrusker drehten Gerätschaften wie Schalen, Teller oder Möbelfüße. Ein technischer Fortschritt war die Verlagerung des senkrechten Antriebs in die Waagrechte. Jetzt konnte der Drechsler beide Hände zum arbeiten des Werkstückes einsetzen, da der Antrieb mit dem Fuß geschah.
Nicht nur Holz wurde verarbeitet, auch Elfenbein, Bein, Bernstein, Bronze, Sandstein, Schiefer und Alabaster, um nur einige zu nennen. Aus Holz entstanden einfache Gegenstände wie Teller, Becher, Schüsseln, Knöpfe und Kleiderhaken. Aus anderen Materialien Tabaksdosen, Spinnräder, Leuchter, Futterale für Gold und Glasgeschirr und vieles mehr.
Das Handwerk ist heute fast ausgestorben, Industrieprodukte haben es verdrängt.

Spezielle, teilweise ausgestorbene Berufe:

Bierbrauer

"Der Bierbreuwer
Auss Gersten sied ich gutes Bier Feisst und süss, auch bitter monier
In ein Breuwkessel weit und gross darein ich denn den Hopfen stoss
Lass den in Brennten külen bass Damit füll ich darnach die Fass
Wol gebunden und wol gebicht Denn giert er und ist zugericht."
Unsere Hopfenbauern belieferten auch die im Ort ansässigen Bierbrauer. Bei den Gastwirtschaften "Adler", "Lamm" und "Krone", befanden sich Sudhäuser, die heute anderweitig genutzt werden. Das Sudhaus beim "Lamm" wurde 1809 erbaut. Wenn ein Sud misslungen war, konnte man das Bier billig kaufen. Darüber schrieb ein Dorfpoet:
"Hier trinkt man jetzt 8 Pfennigbier, trink nur, wer trinken kann,
denn nirgends trinkt man solches Bier. Brüder, nur herein,
denn wer von diesem Bierchen trinkt, ist nachher pudelwohl
und manches frohe Lied erklingt, auf dieses Stoffsymbol."
Am Samstagabend versammelten sich die Stammgäste, die Wirtin stellte ihnen eine Schüssel mit Sauerkraut hin, davon konnte jeder essen soviel er wollte.
Um das Bier kühl zu halten, wurde im Winter das Wasser im oberen Tal gestaut und später das Eis  abtransportiert und gelagert. Das "Lamm" hatte dort einen Eissee, der bis ungefähr 1920 benützt wurde. Im Haus Schwarz in der Althengstetter Straße wurde das Eis in 2 großen Kellern eingelagert.
Das Bierbrauen kann auf eine uralte Tradition zurückschauen. Schon die Sueben und Alemannen kannten diese Kunst. Bis zum 13.Jahrhundert blieb Bier das Volksgetränk. In der "Krone" hing folgender Spruch von 1870:
"Solche Gäste liebe ich die ehrbar discutieren
Essen, Trinken, zahlen mich und friedsam abmarschieren."
Und im "Rößle" konnte man lesen:
"Die Rose blüht der Dorn der sticht,
wer gleich bezahlt vergisst es nicht."

Hochzeitlader

In den Gaststätten feierte man auch Taufen und Hochzeiten, denn trotz der schweren Arbeit oder gerade deswegen, verstanden es die Gechinger zu feiern. Eine Hochzeit war ein besonderes Fest, an dem der ganze Ort Anteil nahm.
"Zur Hochzeitfeier ladet ein "Hauzichläder",der als Abzeichen seiner Würde Kamisol oder Joppe mit langen roten oder blauen Bänder geziert, trägt. Er organisiert das ganze Fest und nimmt auch die Geschenke für das Brautpaar entgegen. Der Hochzeitmorgen wird eingeleitet durch gewaltiges Schießen. Zuerst versammeln sich die Verwandten und ledigen Buben und Mädchen zur "Morgensuppe" im Haus des Bräutigams und in dem der Braut. Der Schmaus, an welchem auch Nachbarn und Kinder teilnehmen, besteht in Fastnachtsküchlein, dicken Kuchen sowie Kaffee und Wein. Das zum Backen nötige Material bringen tags zuvor die Bäuerinnen des Orts zum Geschenk. Ist die Braut von einem fremden Ort gebürtig, so wird sie vom Bräutigam und dessen Kameraden auf Leiterwägen abgeholt, andernfalls wird sie von den jungen Leuten des Ortes und ihren Gespielinnen ins Haus des Bräutigams begleitet. Dort bekommt jeder Hochzeitsteilnehmer ein Sträußchen an die Kleider geheftet. Früher wurde der Zug ins Haus der Braut und von dort zur Kirche mit Musik begleitet.
Auch hielt vor dem Wirtshaus, in welchem das "Hauzichess" stattfand, der Lehrer eine Abdankung (Hochzeitswunsch), dann wurde das Brauttuch herausgetanzt. Wer es erhaschte, hatte die Ehre, mit der Braut tanzen zu dürfen. Diese Sitte gab oft Anlass zu Streitereien, weshalb sie nach und nach in Abgang kam. In früheren Zeiten wurde statt des Tanzes um das Brauttuch das Springen um die Hennen schon vor dem Hochzeitsgottesdienst vorgenommen. Ein Erlass des Oberamts Calw unter Herzog Karl ordnete an, dass es vor der Kirche zu unterlassen und erst nach derselben erlaubt sei, "weil dadurch alle Andacht in der Kirche verstört, auch Anfang zu Völlerei und sonstigen Dingen gemacht werden." Der Hochzeitszug wird durch den Hochzeitlader, den Brautjungfern und Brautführer eröffnet. Dann folgen das Brautpaar, die Eltern, die Verwandten und am Schluss die Gäste. Von der Kirche geht der Hochzeitszug unter Pistolenschüssen der ledigen männlichen Jugend ins Gasthaus. Dort wird dann der Hochzeitsschmaus eingenommen. Die zum Essen besonders eingeladenen Gäste setzen sich an den Hochzeitstisch, was an diesem verzehrt wird, bezahlt das Brautpaar; die übrigen Gäste begleichen ihre Zeche selbst. Aus jedem Hause im Dorfe sowie von allen umliegenden Ortschaften stellen sich im Laufe des Tages oder Abends Gäste ein. Während des Hochzeitsmahles geht das Brautpaar, jedes mit einer Flasche Wein, die mit einem roten Bande geziert ist, bei den Gästen umher und reicht jedem das gefüllte Glas mit den Worten: "I will's Ich bringa." ( Ich will's Euch bringen), oder "deant au Bescheid". Denkt der Gast ans Heimgehen, so lässt er den Hochzeiter oder die Hochzeiterin rufen, übergibt ein Geldgeschenk und sagt: "Jetzt will i au mei Schuldigkeit abstatta" oder in manchen Orten: "Da schenk i Dir ebbes zur Hauzich, wenn's mei Nutz wär wia mei Schad, wellt i Dir mei gea !"
Rüsten sich in später Stunde die Hochzeitsleute zum Aufbruch, werden sie in manchen Orten von den ledigen Leuten mit Laternen unter Absingen eines Gesangbuchliedes nach Hause begleitet. Dann kehrt die Jugend nochmal ins Gasthaus zurück. Mittlerweile ist das Lokal etwas geräumt und das Tanzen kann beginnen. Dazwischen hinein ertönen zur Abwechslung Volkslieder "aus voller Kehl und frischer Brust". In Gechingen bestand und in Deckenpfronn besteht heute noch die hübsche Sitte, dass am Tage nach der Hochzeit, bei Unbemittelten am Tage selbst, die "Morgengabe gekröppelt wird", d.h. beinahe von jeder Familie des Ortes bringt ein Weib oder Mädchen eine Schüssel voll Mehl, außerdem Linsen, Erbsen und Lebensmittel aller Art als Morgengabe ins Brauthaus, sodass die Neuvermählten öfters ein ganzes Jahr davon zu leben haben." (Quellen: Mönch, Heimatkunde 1925 u.G.Ernst,1956)

Der Bleicher

Um das frisch gewobene Tuch aus Flachs weiß zu bekommen, musste es gebleicht werden. Zu diesem Zweck legte man im Sommer die Tuchbahnen im Freien aus, ließ sie von der Sonne bleiben, goss Wasser darauf und drehte die Bahnen öfters um. Diese Arbeit verrichtete der Bleicher, der das Tuch bei Tag und Nacht bewachte. Zu seiner Unterbringung erbaute die Gemeinde um 1880 das "Bleicherhäusle" auf dem Festplatz, der heutigen Bergwaldsiedlung. Später wurde das Haus abgebrochen und als Wetterhütte in der Nähe des heutigen Hasenhofes aufgebaut. Der Bleicher erhielt für seine Arbeit 6 - 9 Mark pro Woche von der Gemeinde. Das Bleichen kostete pro Elle 3 Pfennig. Im Jahr 1880 wurden z.B. 2.219 Ellen Tuch gebleicht. Gebleicht wurde auf dem Festplatz auch noch, als sich die Anstellung eines Bleichers durch die Gemeinde nicht mehr lohnte. Die Frauen legten in der Frühe ihre Tücher selbst aus und holten sie abends wieder ab.
Dabei passierte folgende Geschichte, die der Gespensterfurcht neue Nahrung gab: Als Frau Schwarz sich nach einem langen Arbeitstag abends müde ins Bett legen wollte, fiel ihr voll Schrecken ein, dass das Tuch noch zum Bleichen auslag. Sie weckte ihre bereits schlafende Tochter: "Schnell, Emma, stand uff!" Beide liefen in ihren Nachthemden in stockdunkler Nacht den Feldweg hoch zum Festplatz und packten ihr Tuch zusammen. Mit den Bündeln auf dem Kopf machten sie sich wieder auf den Heimweg. Plötzlich hörten sie Schritte und blieben ängstlich stehen. Doch auch der nächtliche Wanderer war wie erstarrt stehen geblieben. Dann rannten alle in wilder Furcht voreinander davon. Einige Tage später konnte man am Stammtisch die Geschichte von den zwei Gespenstern hören. Die beiden Frauen, die es besser wussten, behielten ihr Wissen allerdings für sich.

Weber oder Zeugmacher

"Der Weber
Ich bin ein Weber zu Leinen Wat Kan wirken Barchent und Sponat
Tischthücher,Handzwehl,Facilet Und wer lust zu Bettziechen hett
Gewürffelt oder Kamaca Allerley gmödelt Thücher da
Auch Flechsen und wirken Haussthuch Die Kunst ich bey Aragnes such."
30 bis 40 Familien in Gechingen verdienten mit Weben ihren Lebensunterhalt. Die Arbeit dieser sogenannten "Zeugmacher" brachte zusätzliches Geld in den Ort. Sie waren jedoch an die Calwer Zeughandelskompanie gebunden, die ihre Erzeugnisse aufkaufte. Zu Beginn des maschinellen Zeitalters machten sich Absatzschwierigkeiten bemerkbar. Die Bezahlung wurde immer schlechter, sodass eine Weberfamilie trotz fleißigster Arbeit nicht einmal mehr das Existenzminimum verdienen konnte. Die Weber wollten und konnten nicht auf Maschinen umstellen. So ging dieser einst blühende Industriezweig zugrunde.
Damit hatte auch unser Ort viele Menschen, die nicht in der Landwirtschaft unterkommen konnten. Einige fassten deshalb den Entschluss, auszuwandern. Schon früher während der Zeit von 1780 bis 1800 wanderten ungefähr 105 Gechinger in das Gebiet des heutigen Polens aus. 20 davon kamen wieder zurück. Die anderen siedelten sich dort an und betrieben vorwiegend Landwirtschaft. In den Jahren 1850 bis 1880 wanderten ungefähr 200 Personen nach Nordamerika aus. Einigen bezahlte die Gemeinde die Überfahrt, damit sie ihr nicht mehr zur Last fielen. So wurden z.B. einer ledigen Frau im Jahr 1838 die Kosten der Überfahrt nach Amerika in Höhe von 550 Gulden bezahlt. Die Abwanderung hörte erst auf, als nach dem gewonnenen Krieg von 1870/71 die Industrialisierung zunahm und damit mehr Arbeitskräfte beschäftigt werden konnten. (Näheres hierzu siehe unter „Auswanderer“)
Im September 1908 eröffnete die Firma Petri aus Ludwigsburg in unserem Ort eine Zweigniederlassung mit 19 Handstrickmaschinen. Junge Mädchen verdienten sich ihr Geld mit Strumpfstricken. Wie lange diese Firma  bestanden hat, ist leider nicht mehr bekannt.

Nachtwächter

Nachtwächter gab es lange Zeit in unserem Ort. Sie hatten dafür zu sorgen, dass die Gatter an den Toren geschlossen waren und in unruhigen Zeiten die Einwohner alarmiert wurden. Auch bei Bränden, die bei den damaligen offenen Feuerstellen in den Häusern häufig vorkamen, sollten die Nachtwächter Alarm geben. Später kam das Laternenanzünden als weitere Aufgabe hinzu. Von den Schultheißen mussten die Nachtwächter öfters verwarnt werden, da einige ihrem Dienst nur unvollkommen nachkamen. Zur besseren Kontrolle führte man um die Jahrhundertwende ein Schlüsseluhrensystem ein. An sechs Stellen im Ort wurden kleine Blechkästen montiert, in denen Schlüssel hingen, die der Nachtwächter bei seiner Runde in eine Uhr einführen musste. Ein eingelegtes Kontrollblatt zeichnete die Uhrzeit auf. Nach 1865 war es Sitte, dass in der Neujahrsnacht die Nachtwächter vor jedem Haus sangen und Glückwünsche zum neuen Jahr überbrachten. Dafür erhielten sie Geld oder Naturalien. Da die jungen Burschen immer kräftig mitsangen und mitgröhlten, musste der Gemeinderat gegen diese Sitte, die oft bis in die Morgenstunden ging, etwas unternehmen. Für das folgende Jahr erhielten die Nachtwächter mehr Lohn, damit sie das Singen in der Neujahrsnacht nicht mehr nötig hatten. Ob dies etwas geholfen hat, ist nicht überliefert. 1916 wurde ein Antrag an das Bezirksamt wegen Abschaffung der Nachtwächter abgelehnt. Erst im Jahr 1921 musste der letzte Gechinger Nachtwächter, Friedrich Kühnle, seinen Abschied nehmen.
Nachtwächterverse:
Um 9 Uhr: "Hört ihr Leut und lasst euch sagen, Unsere Glock hat neun geschlagen!
Jetz betet und jetz geht ins Bett! Und wer dies schon versehen hätt,
schlaf sanft und wohl, im Himmel wacht ein heitres Aug die ganze Nacht.
Wohl um die Neune!"
Oder: „Um neun Uhr spricht der Herr dies Wort geht auch in den Weinberg fort, wohl um die neune.“
"10 Gerechte (Fromme) waren’s nicht, dort bei Sodoms Strafgericht."
Oder: „Dort machte Jesus Zehne reine, aber ach, wo sind die Neune?
Einer wird nun Gotteskind, Neune bleiben wie sie sind.“
"Um 11 Uhr sprach der Herr das Wort: Geht auch ihr in den Weinberg fort!"
"12 Tore hat die Himmelsstadt; selig, wer den Eingang hat."
"Eins ist not, Herr Jesu Christ, lass dich finden, wo du bist."
"Zwei Wege hat der Mensch vor sich Herr, den schmalen führe mich."
Oder: „Zwei oh Mensch, zwei Wege sind die die Jesus vorgeleget.
Geh den schmalen, liebes Kind, welcher dich zum Himmel träget.
Wem der breite Weg gefällt, geht zur Hölle mit der Welt.“
"Drei Personen ehren wir in der Gottheit für und für."
Oder: „Ermuntere dich, verlorenes Schaf, und bessere bald dein Leben.
Wach auf, es ist noch hohe Zeit, es rückt heran die Ewigkeit
dir deinen Lohn zu geben. Vielleicht ist heut der letzte Tag
Wer weiß wie bald man sterben mag.“
"Vierfach ist das Ackerfeld, Mensch, wie ist dein Herz bestellt?"
„Und wer noch bei den Karten sitzt, und wer noch an der Arbeit schwitzt,
dem sag ich jetzt zum letzten mol jetz geh ins Bett und schlafet wohl."
Oder: „Kommt der Tag, kommt auch das Leiden, kommt die Nacht, kommt auch desgleichen.
Darum Geduld das Beste ist!“

Die Gemeindebediensteten, zu denen z.B. auch Büttel, Nachtwächter, Totengräber, Bettelvogt, und Maulwurffänger gehörten, wurden vom Magistrat, also von Schultheiß und Gericht und Rat, in den Dörfern jährlich zusammen mit dem/den Bürgermeister/n zu Georgii (23. April) gewählt; steht in der „Ordnung für die Communen und deren Vorsteher und Bediente in dem Herzogtum Württemberg, Ludwigsburg [1758], 1. Kap., 2. Abschnitt.“ Dort heißt es weiter: „Der Magistrat nahm die "Vergelübdung" vor, d.h. die Betreffenden mussten ein Gelübde, ein Gelöbnis ablegen, mit dem sie versprachen, ihren Dienst nach den gegebenen Vorschriften ordnungsgemäß und gewissenhaft zu verrichten. Zusätzlich mussten die Gedingten zur Bekräftigung ihres Gelübdes einen "leiblichen" Eid, also mit "erhobener Hand", ablegen.“

 Der Barbier

Der Barbier oder Balbierer (Friseur), auch Chirurg genannt,  war zugleich als Wund- und Zahnarzt  ein sehr wichtiger Mann im Ort, denn der nächste Arzt befand sich in der Stadt Calw. Aus dem Jahr 1568 stammt folgendes Berufsbild des Barbiers:
"Ich bin beruffen allenthalbn Kan machen viel heilsamer Salbn
Frisch Wunden zu heiln mit Gnaden Dergleich Beinbrüch und alte Schaden
Frantzosen heyln,den Staren stechn den Brandt leschen und Zeen ausbrechn
Dergleich Balbiern, zwagen und Schern Auch Aderlassen thu ich gern."
Auch über das Zahnbrechen gibt es einen alten Spruch:
"Wolher, wer hat ein bösen Zan Denselben ich aussbrechen kan
On wehtagn, wie man gbiert die Kinder Auch hab ich Kramschatz nicht destmindr
Petrolium und Wurmsamen Thriacks und viel Mückenschwammen
Hab auch gut Salbn, für Flöhe un Leuss Auch Pulver für Ratzen und Meuss".
1887 verrechnete der Barbier und Wundarzt Dingler pro Krankenbesuch 30 Pfennig. Ein Verband kostete 40 Pfennig und ein Bericht an den Oberamtsarzt 30 Pfennig. Teurer war das Zurückdrücken eines Bruches mit 1 Mark. Für das ganzjährige Rasieren eines Mannes bekam er 5 Mark.
Bei kleineren Beschwerden half sich die Bevölkerung mit Naturheilmitteln. Eine ältere Frau aus dem Ort besorgte sich verschiedene Arzneien und gab sie bei Bedarf den Einwohnern. Fehlende Medikamente holte sie zu Fuß aus der Apotheke in Weil der Stadt. Sie unterhielt, was eigentlich nicht zulässig war, mit der Zeit eine kleine Apotheke und versteckte die Arzneimittel vor den verschiedenen Kontrollen in einem alten Klavier. So blieb diese "Apotheke" unentdeckt und lange Zeit ein Geheimnis unter den Dorfbewohnern.

Der Bote

Das Botenlied von 1556 (verkürzt):
„Ich bin ein berittener Bot zu Fuß deshalb ich viel erleiden muss.
Es sei gleich Schnee, Wind oder Regen, so muss ich doch hinaus allwegen.
Zu Wasser und zu Land überall, über hohe Berge und tiefe Tal,
durch finstern Wald, Stauden und Hecken. Da mich oft die Räuber schrecken
und mir alles nehmen was ich tu tragen und mir die Haut dazu vollschlagen.
Im Winter leid ich an der großen Kält, im Herbst mich dann Ungewitter quält.
Im Sommer leid ich grosse Hitz, ich mich oft beim Wirt versitz.
Eh` ich verdiene meinen Lohn, so ist er er oft zu schnell verdon.
So lauf ich Botschaft über Feld, einem Jedem für dein gutes Geld,
in welches Land er nur will haben In Bayern, Franken oder Schwaben,
an Rheinstrand oder Niederland, in Holland, Seeland oder Brabant,
in Böhmen, Polen oder Preussen, in Ungarn, Sachsen oder Reussen,
ins Welschland oder Frankreich,oder wo er hin will desgleich.
Getreulich um gesetzten Lohn,wer mein<
Letze Änderung Mittwoch, 12 Dezember 2018 22:25
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