Dekoration Lebensmittel

Datum: 4 August 2020 00:00 bis 24 November 2020 23:59
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Wenn Ältere dieser Tage am Appeleshof in Gechingen vorbeigehen und unsere neue Dekoration sehen, geht es ihnen wahrscheinlich wie mir: Sie werden von Erinnerungen übermannt, während Jüngere sich kaum vorstellen können, wozu die einzelnen Geräte gebraucht wurden. Warum hat sich gerade die Ausstattung der Küche so radikal verändert? Man muss sich vor Augen führen, dass das Ziel eines bäuerlichen Haushalts war, möglichst autark zu sein, vor allem Lebensmittel wollte man möglichst wenig dazukaufen, man konnte es meist auch gar nicht, das Geld war knapp. Das bedeutete, dass man Vorräte anlegen musste, um das ganze Jahr über versorgt zu sein. Auch wurde vieles selbst hergestellt, das heute wie selbstverständlich gekauft wird - Beispiele sind Brot, Quark („Luckeleskäs“, weil man damit auch Küken, Luckele, fütterte) und Butter. Niemand kannte Joghurt, man hatte „gestandene Milch“, die man in den schönen Milchhäfen aus Steingut hatte sauer werden lassen. Gestandene Milch, in die man Brot brockte, war vor allem im Sommer ein beliebtes Abendessen. Den Rahm hatte man aber vorher vorsichtig abgeschöpft, wenn genügend beisammen war, wurde Butter daraus gemacht. Man benutzte dazu ein Glas mit Rührwerk, ein Utensil, das heute auch kaum jemand mehr kennt. Wir zeigen auch eine Zentrifuge, die man in großen Haushalten hatte, um Milch zu entrahmen und auch eine Butterform mit Butterstempel. Im Allgemeinen aber behielt man nur Milch für den Eigenbedarf, sonst kam sie in großen, üblicherweise 20 Liter fassenden Milchkannen zur Molke. Viele benutzten zum Transport ein Leiterwägele, vor allem, wenn zwei Milchkannen zu befördern waren. - Am Backtag mussten bei den großen Familien früher große Mengen Teig verschafft werden.  Ungefüge kommen uns heute die Backgeräte vor - die riesigen Backtröge, die Mehlsiebe und auch die Backschüssel, die gebraucht wurde, um den Teig auf dem Kopf „zum Bäck“ (Bäcker) zu tragen. Die Frauen legten sich dazu einen „Bauscht“ auf den Kopf, über der stehenden Teigmulde sind zwei Exemplare zu sehen. Auch der „Spickling“, den es traditionell am Backtag zum Mittagessen gab, wurde auf dem Kopf befördert. Um mehrere von diesen runden Kuchen mit Hefeteigboden, ob nun Kartoffel- Obst- oder Zwiebelspickling usw. auf einmal tragen zu können, wurde er „ufg´hölzelt“, das heißt, vermittels dazwischen gelegter Holzstäbchen übereinandergeschichtet. Die geflochtenen Brotkörble, in die der Brotteig beim Bäck aufgeteilt wurde, die Mehlschaufel, das Brett zum „Einschießen“ und Herausholen, die hölzernen Kuchenschüsseln, die Gebäckmodel - alles ist aufgebaut, wie auch nach Möglichkeit gezeigt wird, wie man Obst konservierte, eindünstete, zu „G´sälz“ (Marmelade)  oder Saft verarbeitete. Auch das Mosten gehört hierher, das ja hier und da heute noch betrieben wird. Bei Obstschwemmen wurde der Überfluss wohl auch gebrannt - viele hatten die eine oder andere Korbflasche mit Schnaps im Haus. Auch Gemüse wurde haltbar gemacht - als Wichtigstes das Sauerkraut. Dazu brauchte man den Krauthobel, in den sich oft mehrere Familien teilten, den „Dorschichstecher“ (Gerät, um den Krautstrunk zu entfernen), eine Krautstande und den Krautstampfer. Das Einlegen von Sauerkraut war ein Großkampftag in der Küche, wie auch das Schlachtfest, von dem wir auch einen Einblick verschaffen wollen. Wir zeigen einen Hackklotz mit den nötigen Geräten, um das Fleisch auszuhauen, aber den Kessel mit „Metzelsupp“, in der Fleisch und Würste gekocht wurden, können wir nicht vorführen. Man lud ein zum Schlachtfest, wobei es üppig Fleisch und Wurst zum Kraut gab, auch wurde ein großer Teil der Metzelsupp in der Freundschaft und Nachbarschaft ausgetragen mit einer Einlage aus Kesselfleisch und Wurst. Damit versorgte man leicht Verderbliches. Wenn dann der Nachbar schlachtete, revanchierte er sich.  - In großen Töpfen wurde der Speck ausgelassen und für das Wurstbrät das Fleisch mit der Fleischhackmaschine entsprechend zerkleinert. Wir zeigen auch ein Gerät, mit dessen Hilfe man die Wurst eindosen konnte. Wichtig war, dass die Dosen wieder verwendbar waren. Mit der Maschine wurde dann der obere Rand der Dose abgeschnitten und umgebördelt. Wenn die Dose gefüllt war, konnte man sie mit Hilfe eines anderen Aufsatzes auf dem Gerät mit dem Deckel verschließen. So wurde die Dose zwar bei jedem Befüllen etwas kürzer, konnte aber doch einige Jahre im Gebrauch bleiben.  - Viel Vergnügen wünschen wir beim Betrachten und damit beim Ausflug in vergangene Zeiten!

Erika Albert Essig

 

Letze Änderung Dienstag, 02 Februar 2021 15:39
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