Wie einst am Backtag: Spickling im Appeleshof

Datum: Okt 6, 2019 11:00:00
Details :

Am 6. Oktober ist Museumssonntag im Appeleshof. Zusammen mit 24 anderen Museen in der Region Calw, haben wir an diesem Tag von 11 -  17 Uhr, bei freiem Eintritt, geöffnet. Wir wollen diesen Tag wieder unter das Thema „Spickling“ stellen. Verschiedene Arten, süße und herzhafte, dieser großen, runden Blechkuchen, die einst am Backtag „nebenher“ gebacken wurden, sollen vorgestellt und auch verkostet werden. Der Spickling wurde fast ausschließlich aus eigenen Erzeugnissen hergestellt, man nahm, was man hatte, und die Rezepturen änderten sich nicht nur von Haus zu Haus, sondern zum Teil auch mit der Jahreszeit. Zwetschgenkuchen gab es z. B. nur im Spätherbst, wenn man reife Zwetschgen hatte. Gebacken wurde im Holzbackofen beim Dorfbäck. Wir haben für unsere Spicklingsbäckerei das Althengstetter Backhäusle vorgesehen, in dem die Bedingungen so ähnlich sind wie beim Dorfbäck.

Vor meinem inneren Auge sehe ich immer noch die Handwägele, mit denen das Backholz zum Dorfbäck gebracht wurde, oft auch der Brotteig, wenn die Bachschüssel nicht auf dem Kopf getragen wurde, wie es meine Großmutter immer machte. Auch die fertig hergerichteten Bleche mit Spickling wurden mit Hilfe von darübergelegten Stäbchen sauber übereinandergeschichtet, „uffghölzelt“, und auf dem Kopf zum Bäck gebracht. Der Boden für einen Spickling besteht immer aus Hefeteig, er ist dünn ausgewellt und gesalzen, wenn es sich z. B. um Zwiebel- oder Kartoffelspickling handelt oder leicht gesüßt für einen süßen Belag, wie bei Obst- oder Ziegerspickling. Bei letzterem wird zum Belag süße und saure Milch zusammen gekocht, er schmeckt so ähnlich wie Käskuchen. Für Zwetschgen- oder Apfelspickling  wird das vorbereitete Obst – Zwetschgen entsteint und halbiert oder geviertelt, Äpfel geschält, in Schnitze geschnitten und vom Kerngehäuse befreit – dicht auf den Hefeboden gelegt, darauf streut man Brosamen, mit Zimt und Zucker gemischt, evtl. mit Schnaps befeuchtet, und, wenn man will, blättrig geschnittene Nüsse, und setzt Butterflöckchen darauf. So ein Obstspickling schmeckt wunderbar und ist vor allem sehr bekömmlich, man kann Unmengen davon essen – und hat es auch getan! Überliefert ist der Stoßseufzer eines Rekruten, dem die Familie seinen Anteil an der „Bächet schickte: „Bloß siebe Viertel, ond dia drheim könnt essa, bis se gnuag hent!“  Die gesalzenen Kuchen sind habhafter, sie dienten am Backtag meist zum Mittagessen. In Gechingen gab es immer Kartoffelspickling am Backtag, den Spickling schlechthin, eine Gechinger Spezialität. Wie den Zwiebelkuchen muss man ihn warm, frisch aus dem Ofen, essen. Jedes Haus hatte da sein eigenes Rezept, grundsätzlich besteht der Belag aus 1 Pfund gekochten, durchgedrückten oder geriebenen Kartoffeln vom Tag vorher auf einen Hefeteig von ½ Pfund Mehl. Man kann auch etwas weniger Kartoffeln nehmen und dann zwei Esslöffel Mehl zufügen. Mit 1 1/2 – 2 Bechern saurem Rahm oder halb süßem, halb saurem Rahm und 2-3 Eiern verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Feingeschnittene Zwiebeln, Rauchfleischwürfel, Kümmel und Schnittlauch sind weitere mögliche  Zutaten. Und wie der Spickling schmeckte? Willy Essig mit seiner Erzählung vom Backtag soll da das letzte Wort haben und schildern, was vor sich ging ab dem Moment, wo der Spickling aus dem Ofen kam: „´S geit doch no Wohltata uff dr Welt! Was deekscht jetzt an Rettich ond dergleicha! Mit dem Risiko, dass du dir d´Gosch verbrennscht, schneidest du glei a Stückle vo deam Spickleng ra. Aber jetzt nix wia hoam! De Kaffee früahmorgeds hot mr verschoba, bis es Spickleng geit. Jetzt goht ´s Freudafescht a! Net gnuag ka  mr kriaga!“ – Am Museumssonntag haben Sie Gelegenheit das „Freudenfest “ nachzuerleben!

Auf vielfachen Wunsch werden wir an diesem Öffnungssonntag auch zwei heimatgeschichtlichen Ortsführung durchführen, Dauer jeweils ca. 90 Minuten. Die Teilnehmer treffen sich um 11:30 Uhr und 14 Uhr am Heimatmuseum Appeleshof. Sonja Dittmayer und Norbert Jensen werden sie nach einer Einführung in die Geschichte und in die geologischen und geographischen Besonderheiten von Gechingen durch den Flecken führen. An mehreren bedeutsamen Stellen werden wir die erste Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts durch Bilder und Geschichten aus der damaligen Zeit wieder aufleben lassen und den Teilnehmern auch die Möglichkeit bieten, aus ihren Erinnerungen zu plaudern. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, ist eine Anmeldung bei Norbert Jensen per Tel. 07056 939969 oder per E-Mail an norbert.jensen@appeleshof.de erforderlich.

Last but not least wird uns Eike Rossow aus Leonberg wieder besuchen, und er biete an diesem Tag an, mitgebrachte Messer und Scheren nach guter alter Handwerkstradition perfekt zu schleifen.

Erika Albert-Essig


 

Letze Änderung Donnerstag, 20 Dezember 2018 21:11
« Oktober  2019 »
MoDiMiDoFrSaSo
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031 

News

  • Neuigkeiten