Gültlingen zu Besuch im Museum Appeleshof in Gechingen

Datum: Aug 4, 2019 14:00:00
Details :
Gültlingen, heute Ortsteil von Wildberg, hat eine große Vergangenheit, die allerdings 1500 Jahre zurückliegt, und haben Hochinteressantes erfahren, als am 4. August Gültlingen im Museum Appeleshof zu Besuch war. Ein alemannisches Gräberfeld aus der Merowingerzeit im Osten des Ortes lässt darauf schließen, dass zwischen 460 und 510 eine alemannische Gruppe mit überregionalem Wirkungskreis dort lebte und ihre Toten bestattete. Zwar wurde das Gräberfeld beim Tuffabbau und beim Straßenbau zwischen den Jahren 1894 und 1905 nahezu zerstört, doch fand man in zwei Männergräbern 1894 und 1901 sogenannte Goldgriffspathen alemannischen Typs. Unter Spatha versteht man ein zweischneidiges Hiebschwert. Der mit Goldblech überzogene Griff wies den Träger als Angehörigen des Hochadels, als verdienten Krieger, Stammesfürsten oder Gaukönig aus – man ist auf Spekulationen angewiesen, denn die Alemannen hinterließen keine schriftlichen Zeugnisse. Im 1901 gefundenen Grab, das aus den Jahren zwischen 460 und 480 stammt, war außer der Goldgriffspatha noch ein Spangenhelm aus Eisen mit vergoldeten Kupferspangen vorhanden, sowie eine Wurfaxt, Schild und Lanze, prunkvolle Beschläge, wahrscheinlich von einer Tasche, ein Gürtel mit Meerschaumschnalle und eine kleine Glasschale, damals eine seltene Kostbarkeit. Goldgriffspatha und Spangenhelm werden am Öffnungssonntag als Replikat zu sehen sein. Unseren Gechinger Vorfahren wird wohl der Weg „zur hohen Obrigkeit“ in Richtung „Sieben Tannen“ und über den „Kapf“ nach Gültlingen wohlbekannt gewesen sein. Nach 500, als die Region unter fränkische Hoheit kam, gibt es keine alemannischen Elitegräber mehr, doch steht in der Oberamtsbeschreibung von Nagold von 1862 über Gültlingen: „Westlich am Ort, unter dem Wohnhaus des Schultheißen Haug, wurden Reihengräber, welche alte Waffen enthielten, aufgefunden“, auch wurde in der Nähe ein „altgermanisches Gefäß“ ausgegraben. Wer weiß, was es da noch alles zu entdecken gegeben hätte!
Foto: Schwarzwälder BoteUrkundlich wird Gültlingen um 1100 als Gildelingen erstmals genannt. Seit Mitte des 12. Jahrhunderts war Gültlingen der Stammsitz der Freiherren von Gültlingen, die zum württembergischen Uradel gehören. Die weitverzweigte Familie hatte dann Sitze und Besitzungen in Berneck, Neuenbürg, Hohenentringen, Sindlingen, zeitweise auch in Deufringen und andernorts. Nachkommen dieses Adelsgeschlechts leben heute noch. Gültlingen kam 1440 teilweise an Württemberg, 1445 kaufte Graf Ulrich V. von Württemberg, der Vielgeliebte, den Rest von Kaspar von Gültlingen um 2 022 fl (Gulden). Seitdem haben die Herren von Gültlingen hohe Ämter inne, sie sind Vögte, auch württembergische Erbkämmerer. Die Kirche in Gültlingen soll 1465 auf der Stelle der ehemaligen Burg der Herren von Gültlingen erbaut worden sein.
Gültlingen gehörte dann bis 1807 zum Oberamt Wildberg und danach zum Oberamt Nagold. Bei der Kreisreform 1938 wurde das Oberamt aufgelöst und die Gemeinde wurde dem Landkreis Calw zugeordnet. Bei der Gemeindereform 1973 wurde Gültlingen in Wildberg eingemeindet.
Nach der Oberamtsbeschreibung von 1862 war damals die Haupterwerbsquelle Ackerbau und Viehzucht, an Getreide wurde vor allem Dinkel angebaut - der Ort war, wie Gechingen auch, bäuerlich geprägt. Inzwischen ist der Ort seit den 70er Jahren durch vier Neubaugebiete nach allen Seiten hin gewachsen und ist für viele Neuzugezogenen inzwischen zur Heimat geworden.
Wir haben dazu eingeladen, die Entwicklung des Ortes in Bildern zu betrachten, zu staunen, wie viel Neues dazugekommen ist und was sich verändert hat oder verschwunden ist! Verschwunden ist zum Beispiel auch das Wahrzeichen Gültlingens, die Sieben Tannen, aus einem Stamm gewachsen und durch den Sturm Lothar Ende 1999 zerstört. Nur noch als Flurnamen lebt dieses Naturdenkmal fort.

 

Letze Änderung Donnerstag, 20 Dezember 2018 21:11
« September  2019 »
MoDiMiDoFrSaSo
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
30 

News

  • Neuigkeiten