Heimatmuseum Appeleshof geöffnet

Datum: Mai 5, 2019 14:00:00
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Theo Widmann zeigt „Schach – Edle Spielfelder für das königliche Spiel“

Schach – Könige und Fürsten, Kardinäle und Prälaten haben es gespielt, auch orientalische Potentaten, wie der sagenhafte Kalif Harun ar-Raschid (763-809) aus tausendundeiner Nacht. Das Schachspiel ist also schon sehr alt und hat seinen Ursprung wahrscheinlich in Indien, verbreitete sich dann über den Mittelmeerraum und gelangte vom 9. bis 11. Jh. nach Zentraleuropa. Dabei hat sich das Spiel verändert und entwickelt, an seiner heutigen Form haben viele Völker und Kulturen mitgewirkt, aber nach wie vor sind dazu logisches Denken, Konzentration und Fantasie erforderlich. Als einziges Brettspiel gilt Schach als Sport, es gibt Schachturniere weltweit, die strengen Regeln unterliegen. Marketeurmeister Theo Widmann, der am 5. Mai im Appeleshof Schachbretter in Einlegearbeit ausstellt, zeigt wie immer vollendete Handwerkskunst, hier, um ein Spiel, das von jeher mehr war als ein Zeitvertreib, angemessen zu würdigen. Er ist einer der letzten Vertreter in dem heute seltenen Beruf des Marketeurs (Intarsienschneiders). Unter Intarsien ist eine Art der Dekoration zu verstehen, bei der auf einer glatten Unterlage Teile verschieden geformter Holzfurniere in voneinander abweichenden Farben fugenlos so zusammengefügt werden, dass geometrische Muster oder Bilder entstehen, einem Mosaik oder Puzzle vergleichbar, was unglaublich  genaues und zeitaufwändiges Arbeiten erforderlich macht. Schon im zweiten vorchristlichen Jahrtausend wurden im Orient Möbel und Wandverkleidungen mit Einlegearbeiten aus Holz, Elfenbein, Perlmutt oder Schildpatt verziert. Allein aus der Art des verwendeten Materials lässt sich ersehen, dass Intarsien immer ein kostbarer Schmuck waren.
 
Schachbretter nun bestehen aus 64 quadratischen Feldern, abwechselnd hellen und dunkeln. Bei Turnierbrettern sind Größe (5,8 x 5,8 cm) und Farben der Felder genau vorgeschrieben, die hellen sind weiß oder beige, die dunkeln dunkelbraun oder schwarz. Sie sind angeordnet in acht waagrechten Reihen, die mit Zahlen durchnummeriert sind, während die acht senkrechten Linien mit Buchstaben bezeichnet werden. So ist es möglich, jedes einzelne Feld mit der jeweiligen Buchstaben-Zahlenkombination genau zu definieren. Auch ohne Schachbrett kann man so die einzelnen Züge nachvollziehen. - Bei Turnierbrettern ist es Vorschrift, dass die Buchstaben und Zahlen am Rand erscheinen, Theo Widmann hat sie bei seinen Exemplaren besonders kunstvoll, teilweise in perlmutt, eingearbeitet. Ferner hat er reich verzierte Schachkassetten hergestellt, wie ein Kästchen gestaltet, die ein komplettes Schachspiel mit allen 32 Spielfiguren enthalten. Den Deckel der Kassette bildet das Schachbrett, darunter ist eine Schublade zur Aufnahme der Spielfiguren. Auch Schachtischchen sind zu bewundern, hier ist das Schachbrett in die Tischplatte eingearbeitet. Übrigens war das Schachspiel nie gänzlich eine Domäne der Männer, auch kluge Frauen haben es beherrscht. Es ist z. B. nachgewiesen, dass Napoleon 1804 gegen eine Hofdame seiner Frau, der Kaiserin Josephine, eine Partie Schach gespielt hat.
 
In dankenswerter Weise haben sich einige Mitglieder des Schachvereins Weil der Stadt bereit gefunden, am Museumssonntag dabei zu sein, um den Besuchern das Spiel zu erklären und näherzubringen. Sie werden Schachbretter und Spielfiguren mitbringen, um gegeneinander zu spielen, und die Besucher zuschauen und teilhaben lassen.
 
So erwartet uns am 5. Mai wieder ein interessanter Museumstag für alle. Geöffnet ist von 14 bis 18 Uhr und der Eintritt ist frei.
Erika Albert-Essig
 
 
Letze Änderung Donnerstag, 20 Dezember 2018 21:11
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