Heimatmuseum Appeleshof geöffnet

Datum: Apr 7, 2019 14:00:00
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Schule damals

Schon unsere „Schulecke“ in der Dauerausstellung im Appeleshof stößt immer wieder auf großes Interesse und veranlasst ältere Besucher zum Erzählen – schade, dass kein größeres Publikum da mithören kann! Nun soll am Sonntag, dem 7. April, im Museum unter dem Motto: „Schule damals“ zusammengefasst werden, wie es in der Schule einst war und was sich alles verändert hat. Viele ältere Gechinger können sich noch an das alte Schulgebäude erinnern, das aus den Jahren 1833/34 stammte und bis 1969 genügte oder genügen musste. Heue steht das Evangelische Gemeindehaus an dieser Stelle. Noch lange war im 19. Jh. mit der Lehrerstelle ein landwirtschaftlicher Betrieb verbunden, er war Teil der Besoldung. Deswegen waren in der alten Schule ursprünglich Ställe im Untergeschoss, später baute man hier den Kindergarten und die Gemeindewaage ein. In der Gechinger Chronik ist nachzulesen, dass 1884/85 229 Schüler und 75 Sonntagsschüler von drei Lehrkräften unterrichtet wurden. Das heißt, es gab die Unter- die Mittel- und die Oberklasse und jeder Klasse gehörten verschiedene Jahrgänge an, in der Unterklasse z. B. waren die Kinder vom 7. bis zum 10. Lebensjahr. Pro Kind waren 20 Kreuzer Schulgeld jährlich zu bezahlen.

Dass Kinder in der Schule geschlagen wurden, vor allem, wenn sie den Unterricht störten, war selbstverständlich, der „Tatzenstecken“ galt früher als unverzichtbares Requisit. Aber wie von ihm Gebrauch gemacht wurde, war ganz verschieden, es hing vom jeweiligen Lehrer ab.

Von 1866 bis 1882 hatte die Gechinger Schule einen Realschulzug, der auch von auswärtigen Schülern besucht wurde. Er diente vor allem zur Vorbereitung auf das Lehrerseminar. Zunächst blieb die Schülerzahl konstant mit über 40, als sie auf 25 zurückfiel, wurde die Mittelschule aufgelöst.

Wir zeigen, was Schule und Schülern bis weit ins 20. Jh. hinein zur Verfügung stand – wie Schülerbänke von einst, Schiefertafeln, Griffelkästen, Fibeln und Lesebücher usw. Auch einige Schulhefte mit Schönschreibübungen haben sich erhalten – staunenswerte Dokumente, die zeigen, wie mit unzulänglichen Mitteln - Tinte, Feder und Federhalter - schöne Schriftbilder erzielt werden konnten. Schulfüller hatte man damals noch nicht. Aber die Feinmotorik scheint früher bei den Kindern doch besser entwickelt gewesen zu sein! Man tut der Schule von damals aber Unrecht, wenn sie als öde, langweilig und nur aufs Auswendiglernen und akkurates Schreiben fixiert beschrieben wird. Teilweise war es auch so, gewiss, man legte viel mehr Wert aufs Üben – aber man bemühte sich auch, den Wissensstoff anschaulich zu machen, das beweisen die Schullehrtafeln, von denen wir in Gechingen einen umfangreichen Fundus besitzen. Wir werden eine Auswahl davon zeigen. Was fehlte im Alten Schulhaus – heute kaum mehr vorstellbar – waren Dinge wie fließendes Wasser oder Zentralheizung.

Im September 1969 – es werden im Herbst also 50 Jahre - wurde dann die Schlehengäuschule eingeweiht, ein Neubau, der den geänderten Anforderungen Rechnung trug. Auch eine Schulturnhalle wurde errichtet. Die Freude war groß, als auch ein Hallenbad dazukam und allen Klassen von 1 bis 9 Schwimmunterricht erteilt werden konnte. Die Trennung der jahrgangsübergreifenden Klassen war mittlerweile selbstverständlich. Auch Klassen mit 50 und mehr Schülern gab es nicht mehr, sie wurden geteilt.

Undenkbar in der Schule von damals waren Schullandheimaufenthalte – es gab einmal im Jahr einen Schulausflug, das war alles. In Gechingen nahm man diese neue Art des Unterrichts, auch zum Kennenlernen untereinander in anderer Umgebung, gerne wahr. Neunmal z. B. waren die jeweiligen Abschlussklassen zwischen 1982 und 2006/7 auf Borkum und dokumentierten gewissenhaft ihre Erlebnisse. Diese Berichtsbände liegen am Sonntag im Appeleshof auf – manch eine oder einer der Schüler von damals wird Freude haben, wenn er oder sie sich in diesen Aufzeichnungen wiederfindet! Vor etwa 10 Jahren verlor die Schlehengäuschule den Hauptschulzug und ist heute eine zweizügige Grundschule, die aber immer noch, wie die Schule von jeher, das kulturelle Leben im Dorf bereichert. Das Museum ist von 14 bis 18 Uhr geöffnet und der Eintritt ist frei.                                            Erika Albert-Essig


 

Letze Änderung Donnerstag, 20 Dezember 2018 21:11
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